Jugendmagazin aus dem Slum Stolz statt Elend

"Zoom" ist ein neues Magazin aus Nairobi. 17 Jugendliche aus einem der größten Slums Afrikas haben es entwickelt. Sie hatten mit dem Heft vor allem ein Ziel: endlich ein Magazin für junge Kenianer, das Spaß macht und ihrer sozialen Wirklichkeit gerecht wird.

Von Anne Hemmes

Es geht um Mode, lokale Berühmtheiten, aber auch um Prostitution, Drogen und Krankheiten. "Zoom" hinterlässt Eindruck. Es wirkt ansprechend, professionell und gut gestaltet. Besonders die Geschichten bleiben im Gedächtnis. Wie das Protokoll einer jungen Kenianerin, die schnörkellos erzählt, wie sie zur Prostitution gekommen ist. Oder die Doppelseite, die über Drogenkonsum aufgeklärt. Daneben finden sich Interviews mit Politikern, Fußballern oder Musikern.

Zwar fehlen im Heft Vorspänne oder Autorenzeilen und Fotos sind ohne Quellenhinweise, aber das stört beim Lesen nicht wirklich. Es gibt einzelne Ressorts wie Unterhaltung, Gesundheit oder Soziales. Manche Seiten wirken grafisch sehr poppig und erinnern ein wenig an die "Bravo".

Die Idee zum Magazin hatte die deutsche Designstudentin Viola Kup. Sie war für ein Praktikum in Nairobi und ihr fiel auf, dass viele kreative Leute nicht wissen, wie sie ihr Talent nutzen können. "Ich wollte Design- und Foto-Workshops anbieten. Bei drei Jugendorganisationen habe ich die Idee vorgestellt", sagt die 29-Jährige. Daraufhin bekam sie als Beispiel Beerdigungsfotos gezeigt. Oft fotografierten die Leute dort auf Hochzeiten oder anderen Veranstaltung, anstatt sich auch anders zu vermarkten.

Redaktionsmitglieder leben im Slum

Kup startete die Workshops in Kooperation mit der Mathare Youth Sport Association (Mysa), eine Entwicklungsorganisation, die unter anderem kreative Projekte anbietet. Die Seminare liefen so gut, dass die Idee für ein Magazin entstand. "Wir wollten eine Plattform entwickeln, auf der die jungen Leute ihre Arbeiten zeigen können." Umgesetzt haben das Heft Jugendliche aus Nairobi, die die ganze kreative Arbeit gemacht haben.

In der kenianischen Hauptstadt leben zwei Drittel der Menschen in Slums. Mit 900.000 Bewohnern ist Mathare einer der größten Slums Afrikas. Fünf der Redaktionsmitglieder kommen aus Mathare, die anderen kommen aus den Eastlands von Nairobi. Viertel, die die Jugendlichen selbst als Ghetto oder Slum bezeichnen.

Ihre Herkunft spielte in dem Magazin eine entscheidende Rolle. Auf dem Cover sind, untypisch für ein Magazin, keine Models, sondern drei junge Frauen aus der Redaktion. "Hier gibt es auch Schönes. Das wollen wir zeigen. Mathare ist sonst nur dafür bekannt, dass es gefährlich ist", sagt Alex Ndegwa, der das Design-Team bei "Zoom" leitet.

Vincent Mbiti, Francis Kathae, Irene Esonga, Getrude Awino, Viola Kup und Edlyne Akumu arbeiten an "Zoom". Die Redaktion hatte nur wenige Computer zu Verfügung.

(Foto: Alex Ndegwa)