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Journalisten in Berlin:Party satt, Inhalt matt

Auch am Vorabend des Berlin-Besuch des US-Präsidenten ist es wieder soweit. Promis, Politiker (wie immer in Berlin: Bürgermeister Wowereit) und Medienvertreter treffen sich fernab des Obama-Rummels, weit weg von Mitte, in der altehrwürdigen Villa Borsig. "Das ist Berliner Groß-Bourgeoisie", findet Wowereit, wie immer gut gelaunt, ein paar warme Worte über den lauschigen Ort, an dem man sich an diesem lauen Abend zwischen dem Tegeler See, einer Menge Mücken und sanft wehendem Gras unter weißen Sonnenschirmen wie in der After-Eight-Werbung versammelt.

Die Villa dient dem Auswärtigen Amt als Gästehaus. Helmut Kohl wollte den ehemaligen Wohnsitz der Industriellen-Familie Borsig einst zur offiziellen Residenz des Bundeskanzlers herrichten lassen, was Gerhard Schröder nach Amtsantritt zu verhindern wusste; er stieg auf einen bescheideneren Wohnsitz in Dahlem um. Der Öffentlichkeit ist die Villa indes nicht zugängig, wohl aber an diesem Dienstagabend der "Semi-Final Round of Actings" des renommierten TV-Preises International Emmy Award.

Cocktail Prolonge zum Emmy Award

Schauspielerin Eva Habermann trägt ihre Schuhe in der Hand, weil das Gelände rund um die Villa Borsig so weitläufig ist: Pressefoto zum "Cocktail Prolongé" zum Emmy Award in Berlin.

(Foto: dpa)

Schönheit und Anwesenheit

Das klingt spannender als es ist, denn eigentlich treffen sich hier nur diejenigen deutschen Schauspieler, die in der deutschen Sektion der Jury sitzen, die in diesem Jahr unter anderem ausgewählte Mini-Serien aus Afrika, TV-Unterhaltung für Kinder und die "Best Performance by an Actor" zu begutachten haben. Jurys wie diese sind für die Emmys über alle Kontinente verteilt, damit das Emmy-Urteil möglichst ausgewogen ausfällt.

Allein: Weder wird an diesem Abend über die Filme oder die Filmauswahl oder die Bewertungskriterien etwas verraten, noch hat irgendjemand der Anwesenden außer der 15 Jurymitglieder irgendetwas mit dem Emmy zu tun, der im November in New York vergeben wird. Dementsprechend berichten die anwesenden Medienvertreter, erschienen sind vor allem Fotografen, vor allem über die Schönheit der Kleider, Figuren, Frisuren oder die Anwesenheit einzelner Ehrengäste wie Mario Adorf oder Maria Furtwängler.

Zwar tummeln sich hier, anders als bei so manch anderer Veranstaltung, durchaus deutsche Schauspieler, die etwas zu sagen gehabt hätten - unter anderem Samuel Finzi, Claudia Michelsen, Olli Dittrich oder Anna Thalbach. Aber, Überraschung: Nach dem Roten-Teppich-Geblitze und anschließenden Häppchen herrscht Interviewverbot. Und als ob das noch nicht deutlich genug wäre, werden Medienvertreter einzeln darauf angesprochen, ob sie ihren weiteren Teil der Grillparty inklusive Essen bitte vor das Haus verlegen und dann gehen könnten, weil die Herrschaften nun auch mal ein bisschen unter sich sein wollten, das sei doch wohl verständlich.

Verständlich ist es, wenn Prominente einfach mal keine Lust auf Journalisten haben, erst recht an schönen lauen Sommerabenden, und das auch gerne in Berlin. Wenn aber Journalisten erst geladen und dann wieder ferngehalten werden - unter diesen Umständen muss sich wohl niemand mehr darüber wundern, wenn Inhalte zugunsten von Red-Carpet-Berichterstattung zunehmend verschwinden.

Und der Begriff Häppchen-Journalismus avanciert zur Doppeldeutigkeit: Zwischen Blitzlichtgewitter, Häppchen und Rauswurf ist dann eben nur noch Platz für ein paar Häppchen von eigentlich nichtssagenden Halbsätzen.

© Süddeutsche.de/rus/mkoh

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