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Journalismus im Internet-Zeitalter:Das Interesse der Masse kann für die Berichterstattung fatal sein

Viele Nutzer sind es gewohnt, dass alles im Internet gratis ist. Die Werber schaffen es nicht, im Netz interessant zu sein. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern sich Redaktionen und Verlage amerikanischen Internetkonzernen ausliefern, wenn sie über deren Plattformen viele Menschen erreichen.

Facebook ist längst für sämtliche deutschen Medien einer der wichtigsten Wege zum Nutzer und Leser - aber auf Facebook hat der kalifornische Konzern selbst das Sagen. Noch erkennen die Amerikaner ihre demokratische Verantwortung als Teil des öffentlichen Diskurses nicht; oft bleiben Hassreden auf der Plattform stehen, journalistische Beiträge verschwinden dagegen hin und wieder, nicht immer mit klarer Begründung.

Wer wissen will, wie es in Deutschland weitergehen wird, muss dennoch über den Atlantik blicken. Dort arbeiten Hunderte Programmierer an Algorithmen, die voraussagen sollen, welche Artikel besonderen Anklang finden.

Junge, aber sehr erfolgreiche journalistische Start-Ups wie Buzzfeed publizieren fast nur noch auf Datengrundlage. Für den Journalismus kann das fatal sein. Nämlich dann, wenn das Interesse der Masse bestimmt, was berichtenswert ist.

Es kann aber auch vieles verbessern, nämlich dann, wenn die Technik das Bauchgefühl des Redakteurs durch eine faktenbasierte Entscheidung ersetzt.

Womöglich ist das Zeitalter der Experimente angebrochen

Doch stehen die Veränderungen erst am Anfang. Wenn die gedruckte Zeitung eine Kutsche wäre, dann steht die Medienwelt jetzt vielleicht kurz hinter der ersten Autofahrt von Bertha Benz. Fords T-Modell ist noch lange nicht in Sicht. Gut möglich, dass mit der Digitalisierung ein ganzes Zeitalter voller Experimente angebrochen ist.

Nur eines ist klar: Dieselben Grundlagen, die in den vergangenen 70 Jahren gegolten haben, gelten weiterhin. Gründliche Recherche, Quellenschutz, eine klare, transparente Haltung und immer der Versuch, den bestmöglichen Journalismus zu machen. Egal, ob mit einer Schreibmaschine oder dem iPhone.