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Journalismus im Internet-Zeitalter:Das gebündelte Produkt Zeitung wird zerrissen

Die Leser haben nun die Wahl, wie und wo sie ihre Nachrichten bekommen. Auf dem Rechner bei der Arbeit, dem Tablet auf dem Sofa, gedruckt als Zeitung am Frühstückstisch oder als Kurznachricht auf dem Handy in der S-Bahn.

Neu dabei ist in Deutschland der Dienst Blendle, der einzelne Texte aus verschiedenen Zeitungen, auch aus der Süddeutschen, anbietet. So wird das gebündelte Produkt Zeitung im Netz zerrissen. Noch vor fünf Jahren konnten sich das manche klassischen Zeitungsjournalisten nicht einmal vorstellen.

Auch die klassische Redaktionsarbeit findet heute wenigstens zum Teil im Netz statt, manchmal auch nur im Netz: von der Recherche über die Zusammenarbeit mit Kollegen bis hin zur Veröffentlichung. Journalisten, die für eine lange Reportage um die Welt fliegen, werfen vorher einen Blick ins Netz, um zu wissen, was es über ihr Thema dort zu lesen gibt.

Und spätestens seit in der Süddeutschen Zeitung auch eine digitale Ausgabe entsteht, etwa fürs iPad, arbeiten alle Mitarbeiter zugleich für die gedruckte Ausgabe und für ein digitales Produkt, man nennt das integrierte Arbeit.

Nie zuvor konnte ein einzelner Journalist so viele Menschen erreichen wie heute. Über die sozialen Netzwerke bekommt er oft innerhalb von Sekunden nach der Veröffentlichung eines Textes erste Rückmeldung.

Manche Leser wissen mehr als der Redakteur

Da ist viel Blödsinn dabei, und so ist das Moderieren von Nutzer- und Leserkommentaren als eigener Job erfunden worden. Oft sind es aber auch kluge Gedanken, nicht selten wissen bestimmte Leser mehr als der Redakteur. Kluge Journalisten sind dankbar für dieses Wissen.

Es brechen also große und großartige Zeiten für Journalisten an und damit auch für Verlage - eigentlich. Die Unternehmen hinter den Redaktionen tun sich jedoch bislang schwer damit, im Netz genügend Geld zu erwirtschaften.