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Deutscher Journalistenverband:Twitter-Krach um rechtspopulistische Äußerungen

Screenshot des Twitter-Accounts des DJV Berlin Brandenburg

(Foto: SZ.de)
  • Der Landesverband Berlin-Brandenburg des Deutschen Journalistenverbands twittert fragwürdige Äußerungen, etwa "ideologisch verseuchte" Schulen.
  • Nutzer sind irritiert, der Dachverband distanziert sich.

"Gesinnungsfernsehen", "einseitige Berichterstattung", "linkslastig und grün": Ausdrücke wie diese verwendet der Landesverband Berlin-Brandenburg des Deutschen Journalistenverbands (DJV BB) auf Twitter - und klingt damit nicht gerade ausgewogen. Am Wochenende schrieb der DJV BB in einem Twitter-Thread, Schulen seien flächendeckend ideologisch verseucht und Kinder würden durch links-grüne Lehrer indoktriniert.

Auf Twitter folgte Empörung bis Ratlosigkeit, einige Nutzer vermuteten, der DJV habe Rechtsradikale in seinen Reihen oder der Account sei gehackt worden. Auf die Frage, warum sich der Dachverband nicht unter den fragwürdigen Tweets äußert, twittert der DJV lediglich, dass das nicht möglich sei - der Dachverband habe den Landesverband blockiert.

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Der Dachverband teilt auf seiner Homepage mit, es handele sich um die Privatmeinung von Klaus D. Minhardt, dem Vorsitzenden des DJV BB. "Sein Wohnsitz ist im Ausland, er nimmt i.d.R. nicht an den Gremiensitzungen des Bundesverbandes - wie etwa dem Gesamtvorstand - teil." Der Zwist dauert inzwischen bereits 15 Jahre, ein Versuch, den Ableger gerichtlich vom Dachverband auszuschließen, scheiterte. In der Hauptstadtregion existiert der DJV BB parallel zum Journalistenverband Berlin und dem DJV Berlin, die im Mai fusionierten - der DJV BB durfte nicht mitfusionieren.

Ein Landesverband voller Dissidenten

"Wir als Dachorganisation haben keinerlei Einflussmöglichkeiten", erklärt DJV-Pressesprecher Hendrik Zörner. Gegen die Tweets könnten sich nur die Mitglieder des Landesverbandes wehren. Der DJV BB-Vorsitzende Minhardt gebe 110 Mitglieder an, im Dachverband seien die Mitglieder jedoch nicht gemeldet.

Minhardt hingegen bezweifelt, dass sich Mitglieder des DJV BB gegen ihn stellen würden, schließlich seien sie alle gleicher Meinung. "Das entwickelte sich so, dass bei uns lauter Dissidenten aufgetaucht sind", sagt Minhardt der SZ. Er selbst war zunächst Mitglied im Bayerischen Journalistenverband und wechselte wegen Streitereien 2006 zum damals bereits mit dem Dachverband streitenden DJV BB.

Man dürfe im DJV seine Meinung nicht sagen, so Minhardt, weshalb er auf Twitter zurückgreifen musste, um auszusprechen, was er denke. Das Problem des Brandenburger Verbandes mit dem Dachverband formuliert Minhardt so: "Man verweigert uns jegliche Art von Zusammenarbeit."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Texts fehlte, dass es außer dem Landesverband Berlin Brandenburg auch den DJV Berlin und den Journalistenverband Berlin gibt.

© SZ.de/quli/cag
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