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Journalismus:Die Herunterschwätzer

Getäuschte Spender

Claas Relotius hat sich über seinen Anwalt erstmals zu Spenden geäußert, die er für ein angebliches syrisches Geschwisterpaar von Lesern sammelte. Der Spiegel hatte angekündigt, Informationen darüber an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten. Relotius habe, heißt es in der Mitteilung, "die Illusion über die reale Existenz" der Geschwister aufrechterhalten, aber die auf sein Privatkonto gespendeten 7000 Euro nicht für sich verwendet, sondern auf 9000 Euro aufgestockt und "an die Diakonie Katastrophenhilfe für ein Projekt zur Unterstützung von kriegsflüchtigen Kindern im Irak" überwiesen. Relotius entschuldige sich bei den Spendern, teilt sein Anwalt mit, und werde allen ihr Geld vollständig zurückzahlen. sz

Lieber Vorurteile bedienen, als auf eine Pointe verzichten: was manche Autoren aus dem Fall Relotius machen. Ein Zwischenruf.

Als der Herrgott das Talent zum Schwätzen verstreute, waren die Journalisten leider in der Ecke des Raums, über der ihm die Tüte platzte. Viele bekamen eine Überdosis ab. Die Folge ist, dass in kaum einer anderen Berufsgruppe eine solche Freude daran herrscht, ihr Ansehen zu zerquatschen. Wer sich daran beteiligt, braucht nicht zwingend einen Anlass.

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