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US-Moderator:Jon Stewart ist jetzt Wrestler

Jon Stewart als Wrestler

Ganz wichtig beim Wrestling: aufpumpen und pöbeln. Hier vorgeführt von Jon Stewart vor der Tür des Show-Ringers Brock Lesnar. Der Herr im Anzug ist im Übrigen WWE-Manager Paul Heyman.

(Foto: WWE)

Welchen Zeitvertreib sucht sich ein gefeierter Satiriker in Rente? Ganz klar: Er wird Show-Prügler.

Von Johanna Bruckner

Als Jon Stewart Anfang des Jahres verkündete, er werde die Daily Show verlassen, klang das, was er über sein Leben danach erzählte, ein bisschen rührselig. Und ja: stinklangweilig. "Ich möchte an einem Wochentag mit meiner Familie essen", sagte der Mann, der 16 Jahre lang das gesellschaftspolitische Geschehen in den USA sezierte und so selbst zu einer quasi-politischen Instanz wurde. "Viele Quellen sagen, dass das sehr nette Leute sind." Gähn.

Aber natürlich wäre Jon Stewart nicht Jon Stewart, wenn er jetzt tatsächlich nur jeden Vormittag im Bio-Supermarkt ums Eck stehen und über die Vorzüge von ungespritzten Tomaten diskutieren würde. Oder gar seine Memoiren schreiben würde, total reflektiert-intellektuell. Viel zu vorhersehbar für einen wie Stewart. Der 52-Jährige lässt sich lieber einen ungepflegten Mehrtagesbart stehen und donnert einem anderen Mann einen Klappstuhl in die Magengrube.

So geschehen am Wochenende beim "WWE SummerSlam" in Brooklyn, New York. Ja, richtig, Wrestling. Und bevor jetzt einer mit "Wrestling, ernsthaft!? Das ist doch nicht mal 'ne richtige Sportart!" kommt: Stewart ist glühender Fan, lieferte sich Anfang des Jahres in der Daily Show bereits einen "Schlagabtausch" mit Wrestler Seth Rollins. Das Ganze endete handfest - mit einem Tritt Stewarts zwischen die Beine seines Kontrahenten.

Der Unterschied zwischen Politik und Wrestling

Allein schon deshalb sollte man das Hobby des Satirikers besser nicht schmähen. Am Sonntagabend im Brooklyn's Barclays Center dann zeigte "The Newsman", wie das US-Onlinemagazin The Daily Beast Stewart schon scherzhaft nannte, dass er mehr kann. Zunächst gab Stewart den "Master of Ceremonies", also den Moderator des World-Wrestling-Entertainment-Events. "Ich erkläre Ihnen mal den Unterschied zwischen Politik und dem, was Sie heute Abend zu sehen bekommen werden", sagte Stewart in Richtung Publikum. "Die WWE-Kämpfer (...) respektieren ihr Publikum."

Kurz darauf war der Moderator in den Katakomben der Halle zu sehen. Vor der Umkleidekabine von Showringer Brock Lesnar - der im April 2014 eine 21 Kämpfe andauernde Siegesserie seines Lieblingswrestlers "The Undertaker" beendet hatte - zeigte er, dass er zwei von drei Diziplinen des Wrestlings beherrscht: sich aufpumpen und lospöbeln. Sein Gegner: WWE-Manager Paul Heyman (ja, der heißt wirklich so).

Heyman: "Was ist passiert, als dein Junge gegen mein Biest gekämpft hat?" Stewart: "Du freust dich ziemlich über diesen Sieg. Weißt du, wer sich nicht gefreut hat? Die Wrestling Fans. (...) Er hatte eine Serie, die es so vorher nicht gab: 21 - 0. Weißt du, an wen sich die Leute erinnern? Joe DiMaggio (legendärer amerikanischer Baseballspieler, Anm. d. Red.). Seine Siegesserie. Weißt du, an wen sich die Leute nicht erinnern? Den Typ, der seine Serie beendet hat."

Trotz dieser Verbalklatsche ging Stewart nicht als Sieger aus der Konfrontation hervor: Heyman schlug ihm einfach die Tür vor der Nase zu. Vielleicht hatte "The Newsman" aus dieser Episode gelernt, als er später beim Championsfight John Cena gegen Setz Rollins den Ring stürmte: Statt Worte zu verlieren, griff Stewart zum Klappstuhl - der Rest ist bekannt.

"The Newsman" ist einer von den Bösen

Er kann also auch drauflos prügeln, drei von drei Disziplinen erfüllt, einer Zweitkarriere als Wrestler steht nichts mehr im Wege. Für The-Daily-Beast-Autor Marlow Stern macht die durchaus Sinn, schließlich habe Stewart stets vor der "Bullshitocracy" gewarnt - und was sei Wrestling mit seinen Phantom-Schlägen und der Schaupielerei in Stripclub-Qualität anderes als die Definition von "Bullshit"?

Und eine feste Rolle hätte Stewart den Hallenkommentatoren zufolge auch schon - nach seiner überraschenden Unterstützung für Intimfeind Seth Rollins, der am Ende tatsächlich gewann: "Jon Stewart hat sich heute Abend vom Gastgeber der Daily Show zum SummerSlam-Bösewicht gewandelt."

© SZ.de/mkoh
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