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Jörg Kachelmann: Nach dem Freispruch:Gewitter auf Twitter

Moderator Jörg Kachelmann warnt im Internet vor Hagelkörnern, stellt Paparazzi bloß und beschimpft deutsche Verleger. Nachdem er während seines Vergewaltigungsprozesses eher durch Verschwiegenheit auffiel, hat der Wettermann offenbar seine Strategie geändert.

Monatelang hat Jörg Kachelmann vor Gericht geschwiegen, nun sprudelt es aus dem vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochenen Moderator nur so heraus. Auf Twitter beschäftigt sich Kachelmann nicht nur mit der "Dauerregen-Problematik über der östlichen Poebene" oder "einen Zentimeter Hageldurchmesser in Bochum".

Kachelmann Trial Proclamation Of Sentence

Jörg Kachelmann, vor Gericht eher schweigsam, rechnet jetzt per Twitter mit den großen Medienhäusern ab

(Foto: Getty Images)

Er zeigt auch ein Internet-Video, wo im Zeitraffer zu sehen ist, wie Schnecken sich über den Kadaver einer Maus hermachen. Und er rechnet ab, mit den "ekelerregenden Paparazzi von Huberts, Liz' oder Friedes Gnaden". Gemeint sind die Medienmenschen Hubert Burda (Bunte), Liz Mohn (Bertelsmann) und Friede Springer (Bild).

Mehrmals täglich stellt der Wetter-Moderator neue Einträge auf seine Twitter-Seite. Besonders angetan hat es ihm "das lichtscheue Gesindel", das "Pack". Er meint damit all jene Medienvertreter, von denen er sich besonders verfolgt fühlt. "Wenn das der Promi tun würde?", schreibt der Schweizer und zeigt ein Foto von einem Paparazzo, der sein Gesicht verbirgt. "Einfach wegdrehen vor der Kamera? Wie bekommt dann Hubert seine Drecksblätter voll?"

Mit seinen Einträgen, deren Authentizität von seiner Firma Meteomedia bestätigt wird, dreht Kachelmann den Spieß verzweifelt um: Er fotografiert diejenigen, die ihn fotografieren (möchten) und lädt zur Bilder-Schau ins Netz. Man könnte auch sagen: Er möchte sich rächen.

"Wann wird man durch Hubert Burda befördert?", höhnt er und zeigt Reporter, die unter einer Brücke lauern, ihre Kamera auf ihn halten oder ihr Auto auf dem Rasen abstellen: "In solchen Fällen können Schweizer Bauern sehr ungehalten werden, wenn Deutsche einfach auf der Wiese parken." Das Nummernschild des Wagens ist klar zu erkennen.

Zuletzt taucht noch das Faksimile eines Briefes auf, den eine Reporterin an eine Ex-Freundin von ihm geschickt haben soll: "Gerne würde ich mich einmal persönlich mit Ihnen über Herrn JK unterhalten. Da Sie ohnehin im Prozess als Zeugin aussagen werden, fände ich es schön, Sie schon vorher kennen zu lernen."

Kachelmanns Eintrag dazu: "Huberts bunte Blumen wurden gegen Ende August verschickt. Woher kannte Burdabunte die Ladungsliste des Gerichts? Woher die Zeuginnenadressen?" Weder der Moderator, noch sein Anwalt, noch ein Sprecher von Hubert Burda Media möchten Kachelmanns Gefühlsregungen kommentieren. Das Drama geht weiter - jetzt im Internet.

© SZ vom 08.06.2011/metz

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