Dritte Staffel "Jerks" Die größtmögliche soziale Katastrophe

Wie macht man es allen recht, um es dann möglichst peinlich zu versemmeln? Die Hauptdarsteller in Jerks kennen sich da aus.

(Foto: © ProSieben/André Kowalski)
  • Jerks, die Serie von Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Christian Ulmen setzt in der neuen Staffel erneut auf kompromisslose Komik.
  • Nicht neu ist dabei, dass das Hauptduo zehn Folgen lang von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen stapft.
  • Sehr sehenswert ist Staffel drei trotzdem: Ulmen geht mehr in die Tiefe und kreiert Szenen, von denen man schon vorher weiß, dass man sie lieber nicht erleben möchte.
Von Hans Hoff

Es gibt Momente im Leben, in denen es nur falsche Entscheidungen geben kann. Wie geht man beispielsweise vor, wenn man mit der Partnerin Schluss machen möchte, aber in einem versehentlich aufgemachten Arztbrief, den sie noch nicht kennt, gerade gelesen hat, dass sie Brustkrebs hat? Macht man da erst Schluss und erzählt dann vom Krebs? Oder muss man erst vom Krebs erzählen und dann Schluss machen? Oder drückt man sich vor der Entscheidung und schiebt sie endlos hinaus, bis dann im unpassendsten Moment alles herauskommt und die größtmögliche soziale Katastrophe ihren Lauf nimmt?

Willkommen bei Jerks, der Serie von Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Christian Ulmen. Der setzt in der dritten Staffel erneut auf kompromisslose Komik und verfeinert diese in ihrem Effekt durch Spielfreude und vorbildliche Inszenierung.

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In zwei Staffeln haben Christian Ulmen und sein Kumpel Fahri Yardim als lustigstes Duo seit Dick und Doof bereits bewiesen, dass sie sich nicht begnügen mit faden Mainstream-Gags, dass sie vielmehr bereit sind, sich selbst zu entblößen bis an den Rand der Kenntlichkeit. Natürlich sind die Darsteller Christian Ulmen und Fahri Yardim privat nicht so peinlich wie ihre Kunstfiguren Christian Ulmen und Fahri Yardim. Das weiß man als medial geübter Mensch.

Trotzdem bleibt da diese Unschärfe, die einen annehmen lässt, dass sie vielleicht doch ein bisschen so sein könnten. Und je mehr man das annimmt, dass die beiden so sein könnten, desto näher kommen sie ihrem Ziel, Zweifel zu säen und auf der Grenze zwischen Realität und Fiktion ihren ständig zur Fremdscham einladenden, aber letztlich doch durch und durch komischen Horror zu inszenieren.

Die Machart ist die bekannte. Alle Akteure hangeln sich im leichten Doku-Look improvisierend am Erzählstrang entlang, und das Hauptduo stapft zehn Folgen lang von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen. Allerdings geht Mastermind Ulmen diesmal mehr in die Tiefe und streut lustvoll Salz in bereits aufgerissene Wunden und dehnt die Momente der Fremdscham, wenn er zeigt, wie seine Antihelden in ihrem krampfhaften Bestreben, niemanden zu enttäuschen, am Ende alle enttäuschen.

Dabei sind zwischendrin durchaus elementare Fragen zu klären. Siehe die Sache mit dem Krebs, die Ulmen natürlich komplett versemmelt. Und dann ist da noch die Sache mit der Party, auf der per Flaschendrehen entschieden wird, dass Ulmen und Yardim zum Partnertausch antreten müssen, was natürlich in Windeseile aus dem Ruder läuft und Szenen kreiert, von denen man schon vorher weiß, dass man sie lieber nicht erleben möchte, weil man ahnt, dass sie tagelang nicht mehr aus dem Kopf verschwinden werden. Dann erlebt man sie aufgrund eines besonderen Peinlichkeits-Magnetismus' doch, und natürlich sorgen sie für Spätfolgen. In dem Sinne ist Jerks über weite Strecken überforderndes Fernsehen, das bewegt, wenn auch nicht immer in der Art und Weise, wie man sich das vorher gewünscht hat.

Jerks, zehn Folgen, bei Joyn.

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