Jauch und die ARD Rückkehr der Gremlins

Bekommt die ARD nur den halben Jauch? Der WDR-Rundfunkrat sieht in seinem Vertrag noch "Grundsatzfragen" offen.

Von Claudia Tieschky

Gremlins sind im Film kleine zerstörungswütige Monster, die aus unsachgemäß ernährten Pelztieren enstehen - aber zum Begriff in der ARD wurde das Wort erst richtig durch Günther Jauch. Als die Intendanten zuletzt vergeblich um ihn warben, das war 2007, sprach er von den "Gremlins" und meinte damit die Gremienaufseher in den Rundfunkräten, die Bedingungen stellten für seinen Wechsel von RTL - etwa den Verzicht auf Werbevertäge und auf Stern TV. Der Moderator sagte am Ende entnervt ab. Das Wort Gremlins blieb.

Ihm könnte noch Hören und Sehen vergehen: Der WDR-Rundfunkrat macht Günther Jauch das Leben schwer.

(Foto: ap)

Jauch und die ARD haben nun doch zusammengefunden - aber auch diesmal sind die Gremien-Gremlins wieder dabei, und sie sind durch neue Aufgaben selbstbewusster denn je. Beim WDR in Köln, dem größten ARD-Sender, sehen die Räte in diesen Tagen nicht unerwartet einigen Klärungsbedarf bei der vom NDR federführend betreuten Vertragsverbindung mit dem TV-Star.

Jauch gibt für den Wechsel auf den öffentlich-rechtlichen Sonntagsplatz zwar Stern TV ab und erzielte bei Werbeverträgen wohl Zufriedenheit bei der ARD; er will aber andere RTL-Formate behalten. Zum Beispiel das Millionärs-Quiz, mit dem er dem Ersten regelmäßig die Montagsquoten verhagelt. "Wer wird Millionär?" geht weiter, so lange der Sender und ich Freude daran haben und die Zuschauer es sehen wollen", erklärte Jauch in einer RTL-Mitteilung.

Der Spagat macht Räten Probleme: "Es war immer die Position des WDR-Rundfunkrats, dass Günther Jauch eine herausragende Person des Fernsehjournalismus ist", sagt die Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi: "Wenn nur der halbe Jauch zur ARD kommt, ist das nicht unproblematisch, da stellt sich eine Grundsatzfrage."

Ganz oder gar nicht zur ARD?

Solche Sätze dürften die ARD-Hierarchen alarmieren. Denn die Gremien von WDR und NDR müssen dem Jauch-Vertrag zustimmen. Sie könnten die Neuerwerbung platzen lassen, auf die man in der ARD so stolz ist und für die man sogar inkauf nahm, Senderkräfte wie Anne Will und Frank Plasberg zu brüskieren. Folgt nun in der ARD "Gremlins", Teil 2?

Man gehe "sehr ergebnisoffen" in die Diskussion, sagt ein WDR-Rat. Offenbar wollen die Kölner Kontrolleure vor der Zustimmung zum Vertrag noch eine Reihe von Fragen klären, die teils nur indirekt mit dem Jauch-Engagement zu tun haben. So soll wohl darüber geredet werden, was Jauchs Sendung kosten darf, verglichen mit anderen ARD-Formaten - und wer bezahlt.

Auch die gleichzeitig mit der Personalie Jauch angekündigte Verschiebung im Programmschema ist wohl Thema: Für Jauch muss Anne Will vom Sonntags-Platz weichen, zudem soll eine Talkschiene von Montag bis Donnerstag um 22.45 Uhr für einen einheitlichen Start der Tagesthemen sorgen. Hieronymi erklärt, sie hoffe, dass es der ARD möglich sei, die offenen Fragen zu klären. Sie erwarte eine "intensive Debatte".

Der WDR ist von den geplanten Änderungen auch betroffen, weil Frank Plasbergs Talk Hart aber fair, das Vorzeigeformat des Senders, von 21.45 Uhr um eine Stunde nach hinten rücken soll. Die WDR-Intendantin Monika Piel hatte erst zugestimmt, dann aber Nachverhandlungen angekündigt. Beim Einsatz für Plasberg treffen sich die Interessen Piels und ihrer Rundfunkaufsicht. Sollten die Räte aber den Jauch-Vertrag blockieren, würde das Piels Zielen schaden. Die Intendantin übernimmt im kommenden Jahr den ARD-Vorsitz. Derzeit führt SWR-Chef Peter Boudgoust den Verbund, und er hatte ein Ziel für seine Amtszeit: den einheitlichen Beginn der Tagesthemen. Der gelingt nur, wenn Plasberg weicht.

Gremienchefin Hieronymi will sich nun um eine "konstruktive Lösung" bemühen, sagt sie. Das setze aber voraus, "dass die ARD den kritischen und unterstützenden Anmerkungen des Gremiums durchaus aufnimmt".

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