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Jauch-Sendung zur Flüchtlingskrise:Die Stimmung zwischen den Schwesterparteien war schon besser

Diese Einmütigkeit war jedoch die Ausnahme. Immer wieder gerieten die Gesprächspartner aneinander. Zur Rechten des Moderators Jauch keiften sich die Publizisten Jörges und Meyer immer wieder leidenschaftlich an, zur Linken fielen sich Europaparlamentarier Brok und Europa-Skeptiker Gauweiler ins Wort. Die beiden Politiker fanden kaum einen gemeinsamen Nenner. "Lassen Sie mich doch einmal ausreden, Herr Gauweiler", flehte Brok schließlich entnervt, als der CSU-Mann ihn wieder einmal unterbrochen hatte.

Die Stimmung zwischen den Schwesterparteien - sie war schon besser. Hier legte Jauch den Finger in die Wunde: Kann der Streit zwischen CSU-Chef Horst Seehofer und CDU-Chefin Angela Merkel nicht die Union zerreißen? Gauweiler wiegelte zunächst ab. Man wisse nicht, was Theaterdonner sei und was wirklich Substanz habe, sagte der Ex-CSU-Vize. Dann schob er nach: "Ich glaube, es geht an die Substanz."

Auch sonst blieb das Gespräch oft im Grundsätzlichen. Kein Wort etwa zum Koalitionsgezerre um die mögliche Einrichtung von sogenannten Transitzonen an der deutschen Grenze. Der aktuelle Teil beschränkte sich weitgehend auf Jörges' Bericht von der kroatisch-slowenischen Grenze. Stattdessen diskutierte die Runde einmal mehr die Frage, ob die Entscheidung der Bundeskanzlerin Ende August in Ungarn, gestrandete Flüchtlinge nach Deutschland zu holen, die Krise verschärft hätte. Die Gäste verzichteten auf überraschende Antworten.

Eine Rückkehr zum Dublin-System gilt als ausgeschlossen

Doch wie soll die Flüchtlingskrise nun gelöst werden? "Wir müssen unsere Hausordnung wieder einhalten", empfahl CSU-Mann Gauweiler und meinte damit das Grundgesetz. Doch eine Rückkehr zum Dublin-System, das es etwa für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge so gut wie unmöglich machen würde, in Deutschland Asyl zu beantragen, gilt als ausgeschlossen. Grenzen schließen? Das funktioniere nur mit Zäunen und Mauern, gab Journalist Jörges zu bedenken. "Das macht Europa kaputt." Europaweite Verteilquoten für Flüchtlinge, auf die CDU-Mann Brok pocht? Machen viele EU-Staaten nicht mit.

Bleibt Jörges' Vorschlag, den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden. Da war sogar Jauch skeptisch: "Die Ursachen des Syrien-Konflikts zu lösen, wird wahrscheinlich eher weniger in europäischer Hand sein", sagte er. So blieb am Ende der Sendung eine gewisse Ratlosigkeit. Allerdings auch nicht mehr als beim Krisengipfel in Brüssel. Als Jauch an die Kollegen von den Tagesthemen abgab, tagten die 13 Regierungschefs noch. Ihre Ergebnisse präsentierten sie erst Stunden später. Dass sie die Flüchtlingskrise lösen werden, glaubt niemand.

© SZ.de/fie

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