Dokumentarfilm:Das Komplott

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Dokumentarfilm: Auch die Eltern des ermordeten Journalisten Ján Kuciak kommen in der Doku zu Wort.

Auch die Eltern des ermordeten Journalisten Ján Kuciak kommen in der Doku zu Wort.

(Foto: © Final Cut for Real/A. Smoronov)

"Tödliche Recherchen": Matt Sarnecki hat einen bemerkenswert guten Film gedreht über den Mord an dem slowakischen Journalisten Ján Kuciak.

Von Stefan Fischer

Kein Wort verliert der Filmemacher Matt Sarnecki darüber, wie schwierig es gewesen sein muss, an das Material für seinen 90-minütigen Film "Tödliche Recherchen" zu kommen. Wie er überhaupt selbst kein Wort verliert, sondern die Bilder sprechen lässt und die Menschen, um die es in dieser Geschichte geht.

Es ist die Geschichte über den Mord an dem slowakischen Investigativjournalisten Ján Kuciak und dessen Verlobter Martina Kušnírová. Über ein Oligarchen-System in der Slowakei, das es einflussreichen Menschen erlaubt, sich über das Recht zu stellen. Ein slowakisches Gericht hat den Geschäftsmann Marián Kočner freigesprochen von dem Vorwurf, den Mordauftrag erteilt zu haben. Matt Sarnecki, der bereits vor fünf Jahren Aufsehen erregt hatte mit seinem Film "Killing Pavel" über die Ermordung des Journalisten Pavel Sheremet in Kiew, präsentiert Belege und Indizien, die einen an der Richtigkeit dieses Urteils zweifeln lassen.

Korrupte Richter, willfährige Polizisten, Politiker, die kaum mehr waren als Marionetten von Oligarchen - Sarnecki trägt zusammen, was die offiziellen Ermittlungen im Lauf der Jahre ergeben haben. Es waren immer auch Ermittlungen, die gegen den Willen von Teilen der eigenen Institutionen - der Polizeibehörden, der Staatsanwaltschaft, der Ministerien - stattgefunden haben. Man muss wohl davon ausgehen, dass nach wie vor Menschen mit Einfluss kein Interesse an der Existenz dieses Films haben.

Die Kamera läuft, auch wenn die Menschen schweigen. Denn ihre Gesichter sprechen

Dennoch konnte Matt Sarnecki viele Videos aus Ermittlungsakten zusammentragen, er hat Material von den entscheidenden Pressekonferenzen zur Verfügung und konnte selbst bei entscheidenden Verhaftungen oder Nachstellungen der Tat filmen. Und er konnte viele Menschen vor die Kamera bringen: die Eltern der Toten, Freunde und Kolleginnen, aber auch Menschen, die eine wenig vorteilhafte Rolle einnehmen in diesem Fall. Marián Kočners Verteidiger etwa.

"Tödliche Recherchen" ist ein ruhiger Film. Er beginnt stumm, mit Bildern von einer Demonstration gegen die Staatsmacht. Dann sieht man ein Paar auf einer Bank, auch sie schweigen eine Weile, ehe sie zu sprechen beginnen, erst Jozef Kuciak, der Vater des Ermordeten, dann seine Frau Jana. Nach ihnen kommt Zlata Kušnírová zu Wort, die Mutter von Martina.

Argument für Argument baut Matt Sarnecki seinen Film auf. Oft lässt er die Kamera noch zwei, drei Sekunden laufen, auch wenn die Menschen davor nichts mehr zu sagen haben. Ihre Blicke, ihre Gestik erzählen dann von dem, was sie nicht in Worte fassen können oder wollen. Trauer und Wut finden ein Ventil, Schuldgefühle kommen zur Sprache. Andere versuchen, die Dinge ins Lächerliche zu ziehen. Die Mehrzahl der Beteiligten ist jedoch um größtmögliche Nüchternheit bemüht. Aber wer kann schon nüchtern und gefasst bleiben, wenn alles wieder und wieder hochkocht?

Am Ende liegen die Dinge offen vor einem. Und aus der wohltuenden Nüchternheit der Darstellung wird Ernüchterung. Weil die Konsequenzen aus diesem Fall so gering sind.

Tödliche Recherchen - Der Mord an Ján Kuciak, Arte, 23. August, 23.05 Uhr.

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