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Israels Regierung will Sender schließen:Enthüller kalt gestellt

Kritische Berichte über Regierungschef Benjamin Netanjahu könnten das Aus für den israelischen Radiosender Channel 10 bedeuten. Der Sender steht vor Schulden in Millionenhöhe, schlug einen zweifelhaften Deal mit der Likud-Partei jedoch aus.

Zwischen Politikern und den Medien ist immer manche Rechnung offen, doch dem israelischen Fernsehsender Channel 10 droht das jetzt zum Verhängnis zu werden. Der populäre Privatkanal muss voraussichtlich schließen, weil er Schulden beim Staat hat. Das Todesurteil für den Sender sprach der Finanzausschuss des Parlaments in Jerusalem, der einen Antrag der Fernsehleute ablehnte, die Zahlung von umgerechnet neun Millionen Euro zu stunden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu

Sind pikante Enthüllungen über den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu der Grund für das voraussichtliche Ende von Channel 10?

(Foto: dpa)

Mancher Beobachter vermutet hinter dem voraussichtlichen Ende die Rache der israelischen Regierung für zahlreiche pikante Enthüllungen der Journalisten von Channel 10. Oppositionsführerin Shelly Jachimovich von der Arbeitspartei klagt, hier solle ein Sender abgeschaltet werden, "weil er sich weigert, der Regierung zu schmeicheln".

Defizitär ist der Sender, der vom Spaßfernsehen bis zu investigativen Politik-Reportagen alles im Programm hat, seit seiner Gründung vor knapp zehn Jahren. Israels Medienmarkt ist hart umkämpft - das Angebot ist ausgesprochen vielschichtig, doch die Werbe-Etats sind schnell aufgebraucht in einem Land mit gerade mal 7,5 Millionen Einwohnern. Berichten zufolge soll Channel 10 insgesamt bereits Defizite von umgerechnet 260 Millionen Euro produziert haben. Die Schließung hatte bereits früher immer wieder einmal gedroht, doch am Ende ging es stets weiter. Dass es nun anders ist, könnte zumindest kein Zufall sein.

Im Frühjahr hatte der Sender zum großen Ärger des Regierungschefs eine Geschichte über gesponserte luxuriöse Übersee-Reisen von Benjamin "Bibi" Netanjahu samt Gattin gebracht. Die sogenannte Bibi-Tours-Affäre machte Schlagzeilen, Netanjahu klagte wegen Verleumdung, und der Prozess steht noch aus.

Nun berichtet die Tageszeitung Haaretz, aus dem Büro des Premierministers sowie aus dessen Likud-Partei sei dem Sender folgender Handel angeboten worden: Die Regierung könne ein Auge zudrücken bei den Schulden, wenn der für die Story verantwortliche Journalist Raviv Drucker gefeuert werde. Der Reporter aber wurde nicht entlassen. Nun allerdings droht er einer von 2500 Angestellten zu werden, die bei einer Schließung des Senders ihren Job verlieren würden.