"Ippen Investigativ":Ippen verliert Investigativ-Team

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"Ippen Investigativ": Braucht wohl ein neues Investigativteam: Verleger Dirk Ippen in seinem Büro.

Braucht wohl ein neues Investigativteam: Verleger Dirk Ippen in seinem Büro.

(Foto: Sven Hoppe/picture alliance/dpa)

Im Herbst bremste Verleger Dirk Ippen ihre Recherche zum Fall Julian Reichelt aus. Nun verlassen die Journalisten das Unternehmen geschlossen.

Von Aurelie von Blazekovic

Im Oktober gab die Investigativjournalistin Juliane Löffler ein bemerkenswertes Interview in der Aktuellen Stunde im WDR. Bemerkenswert, weil dort häufiger Gesundheitsminister oder Fraktionsvorsitzende auftreten und seltener Journalistinnen, die zu den Vorgängen in deutschen Medienhäusern recherchieren. Bemerkenswert auch, weil Löffler dort wegen der Recherche zum Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt eingeladen war, diese Recherche so letztlich aber gar nie erschien, vor allem nicht bei ihrem Arbeitgeber, dem Ippen-Verlag. Nun, drei Monate nachdem Ippen-Investigativ vom eigenen Verleger ausgebremst wurde, verlässt das vierköpfige Team das Unternehmen geschlossen.

Verleger Dirk Ippen verhinderte die Recherche zu den Vorwürfen von Machtmissbrauch gegen Julian Reichelt kurz vor ihrer geplanten Veröffentlichung. Das, obwohl sein Verlag das Rechercheteam um Löffler erst im Jahr zuvor vom amerikanischen Konzern Buzzfeed zugekauft hatte, es von Buzzfeed News in "Ippen Investigativ" umbenannte, und zum Aushängeschild für investigativen, digitalen Journalismus unter der Marke Ippen machte. Zu dem Zeitungskonglomerat Ippens gehören zahlreiche regionale Tageszeitungen wie Frankfurter Rundschau, Münchner Merkur, oder tz . Er verhinderte die Veröffentlichung der Recherche, so Dirk Ippen, weil nicht der Eindruck entstehen sollte, "wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden".

Was Einblicke in den Springer-Konzern hätte liefern können, wurde für Ippen zur Blamage. Von einem "Eingriff nach Gutsherrenart" sprach der Deutsche Journalisten-Verband. Denn die Trennung von Redaktion und Verlag ist eigentlich ein ehernes Gesetz im deutschen Journalismus. Die Enthüllungen zu den Vorgängen bei Bild, in deren Nachgang Julian Reichelt bei Springer entlassen wurde, lieferte dann Medienkolumnist Ben Smith in der New York Times. Das Team von Ippen-Investigativ veröffentlichte schließlich Teile der Recherche gemeinsam mit der Redaktion des Spiegel.

Juliane Löffler und Katrin Langhans, die bis 2020 für die SZ arbeitete, werden Redakteurinnen beim Spiegel, wie die Spiegel-Gruppe am Donnerstag bekanntgab. Die beiden Investigativ-Journalistinnen sollen das Deutschlandressort des Magazins in Themen wie Medizin, Umwelt und Frauenrechte verstärken, heißt es. Auch Marcus Engert und Daniel Drepper verlassen Ippen.

"Das Ippen Investigativ-Team hat seit 2020 einen tollen Job gemacht und couragiert und engagiert seine Recherchen vorangetrieben," schrieb der Ippen-Verlag auf SZ-Anfrage am Donnerstagabend. Man bedauere das Ende der Zusammenarbeit, so Markus Knall, Chefredakteur von Ippen Digital. "Wir werden unseren eingeschlagenen Weg, in Qualitätsjournalismus zu investieren, konsequent fortsetzen"

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