Interview im "Journalist" Jungs, war das nötig?

Der Fragebogen auf der letzten Seite des "Journalist" generiert im besten Fall lustige Antworten. Doch was Bestseller-Autor Timur Vermes der "Donna"-Chefredakteurin in den Mund legt, ist peinlich.

Von Annette Ramelsberger

Das Medienmagazin Journalist, das Organ des Deutschen Journalisten-Verbands, hält sich seit ein paar Jahren am Ende des Hefts einen Fragebogen, mit dem Medienmacher oft ironisch, oft provokant nach Sinn und Unsinn ihres Tuns befragt werden. Die Antworten sind im besten Fall lustig, oft selbstverliebt, meist bemüht. Und manchmal entlarvt der Fragebogen auch nicht den Befragten, sondern den Fragesteller.

Was muss man zum Beispiel von einem Interviewer halten, der an die Chefredakteurin des Magazins Donna aus dem Burda-Verlag, das sich an Frauen über 40 wendet, die Frage stellt, "Wie lang geht Iris Berben noch?" Und der auch sofort drei Antwortmöglichkeiten liefert: a) Katja Riemann ist halt noch nicht so weit. b) Die geht noch etwa 20 Jahre, das sieht man an Joan Collins. c) Die geht noch ewig, wenn sie ein bisschen girliehafter wird.

Donna-Chefredakteurin Ulrike Zeitlinger hat geantwortet: "Hoffentlich so lange, bis Männer endlich aufhören, dümmliche Fragen nach dem Verfallsdatum von Frauen zu stellen." Iris Berben ist 62.

Man muss Frauenmagazine nicht mögen, man kann ihre Mischung aus Mode, Männer und Kosmetik für Zuckerwatte halten, an der man sich Hirn und Magen verdirbt. Aber warum arbeitet sich der Interviewer Timur Vermes, der auch schon Mitte 40 und Bestsellerautor (Er ist wieder da) ist, ausgerechnet daran ab, dass Donna ihren Leserinnen nicht junge, sondern ältere Herren vorstellt wie Bill Clinton? Einer der drei Vorschläge für die Antwort im Journalist lautet so: "Junger Mann mit älterer Frau - seit Demi Moore ausgekutchert hat, glaubt das doch kein Mensch mehr."

Donna-Chefredakteurin Zeitlinger sagt, sie habe überlegt, ob sie überhaupt antworten solle. "Aber dann wollte ich auch nicht Feigheit vor dem Feind zeigen." Es sei doch interessant, welches Maß an Altersdiskriminierung gegenüber Frauen für normal gehalten werde - auch in seriösen Medien. Journalist-Chefredakteur Matthias Daniel, 39, ist ein wenig zerknirscht. Der Fragebogen setze zwar auf freche Fragen, um "Momente der Offenheit" zu bekommen und nicht die immer gleichen glatten Antworten. "Aber in diesem Fall", sagt Daniel, "kann man schon fragen: Jungs, war das nötig?"

Immerhin: Die Momente der Offenheit sind gelungen - wenn auch eher ungewollt.