Andreas Hoppe im Interview "Es gab Tatort-Folgen, in denen ich kaum noch etwas zu tun hatte"

Noch einmal schwer in Aktion: Andreas Hoppe in seinem letzten Fall als Hauptkommissar Mario Kopper im Ludwigshafen-Tatort "Kopper".

(Foto: SWR/Roland Suso Richter)

Nach 21 Jahren spielt Andreas Hoppe zum letzten Mal die "Tatort"-Kultfigur Mario Kopper. Im Interview am Morgen erzählt er, warum das nicht bedauerlich ist.

Von Paul Katzenberger

Eine Ära geht zu Ende: Im Ludwigshafen-Tatort am 7. Januar bearbeitet Andreas Hoppe als Ermittler Mario Kopper seinen letzten Fall an der Seite von Hauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts). Damit löst sich das zweitälteste Ermittler-Duo der Reihe (nach Batic und Leitmayr in München) nach 21-jähriger Zusammenarbeit auf. Wie schlimm ist das für einen Schauspieler, in dessen Leben Kopper immer eine große Rolle spielen wird?

SZ: In Ihrem letzten Fall als "Tatort"-Ermittler Mario Kopper spielen Sie ausnahmsweise fast die Hauptrolle. Gäbe es Sie beim "Tatort" noch, wenn Kopper prominenter in den Drehbüchern aufgetaucht wäre?

Andreas Hoppe: Kopper hätte als Rolle gar nicht unbedingt größer sein müssen, aber es wäre gut gewesen, wenn die Figur weiter entwickelt worden wäre. Doch da haben den Drehbuch-Autoren in den letzten Jahren die Ideen gefehlt. Da gab es dann plötzlich Tatort-Folgen, in denen ich kaum noch etwas zu tun hatte. Ich habe das bedauert, denn ich habe an Kopper gehangen, den ich 21 Jahre gespielt habe, und der beim Publikum ja durchaus beliebt war. Ich habe deswegen viele Vorschläge eingebracht, wie er wieder hätte interessanter gestaltet werden können, doch damit bin ich nicht durchgedrungen. Insofern ist es logisch und gut, dass ich als Kopper nun aufgehört habe. Das hatte sich in dieser Form überlebt.

Interview am Morgen

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Der SWR hat angekündigt, den zweiten Hauptkommissar neben Lena Odenthal nicht mehr zu ersetzen. SWR-Intendant Peter Boudgoust begründete das damit, dass das Bild von zwei harten Hunden, die durch die Großstadt streifen, überkommen sei. Sehen Sie das auch so?

Da bin ich anderer Meinung. Erstens haben Ulrike Folkerts und ich keine zwei harten Hunde verkörpert. Darunter stelle ich mir etwas anderes vor. Außerdem spricht aus meiner Sicht nichts gegen einen zweiten Hauptkommissar. Man muss die Figur aber wie gesagt pflegen, und dafür braucht es Ideen.

Es heißt, die Profilerin Johanna Stern, die Lisa Bitter seit 2014 im Ludwigshafen-"Tatort" darstellt, werde künftig mehr Sendezeit bekommen. Das spiegelt die Realität ja durchaus wider: Profiler sind in der Polizeiarbeit wichtiger geworden.

Es gab schon Profiler, als ich 1996 beim Tatort angefangen habe. Aber ich habe gar nichts dagegen, sich auch mit dieser Form der Polizeiarbeit im Tatort zu befassen. Nur heißt das für mich nicht automatisch, dass die klassischen Ermittler dadurch überflüssig werden. Wenn diese als Figur gut gezeichnet sind, können die genauso interessant sein wie ein lebendig dargestellter Profiler oder Gerichtsmediziner.

Wenn man einen Job nach 21 Jahren beendet, dann ist das eine Zäsur. Wie sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Ich bin voller Tatendrang. Für mich ist der Tatort seit mehr als einem Jahr vorbei (die Folge "Kopper" wurde im November 2016 gedreht, Anm. d. Red), und in der Zeit konnte ich tolle Projekte realisieren. Ich hatte zum Beispiel Engagements bei der ZDF-Neo-Serie Blockbustaz, bei der RTL-Serie Der Lehrer und habe beim ZDF-Fernsehfilm der Woche, Weiser, mit Joachim Król mitgewirkt. Vor allem hat es mir aber unheimlich Spaß gemacht, mein neues "Sizilien-Kochbuch" zu schreiben.

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Eine letzte Referenz an den Sizilianer und Risotto-Koch Mario Kopper?

Ja, so kann man das beschreiben, wobei Kopper mehr als Risotto drauf hatte. Was das Essen angeht, bin ich selbst ein Genussmensch, so wie Kopper. Der hat ja eine sizilianische Mama, die im Tatort aber nie auftauchte. Ich habe das im vergangenen Jahr zum Anlass genommen, vier Wochen lang auf Sizilien für das Kochbuch zu recherchieren. Dabei habe ich tolle Menschen kennengelernt und einen ganz anderen Eindruck von der Insel bekommen, als ihn mein letzter Tatort-Fall suggeriert, der die Mafia in ihrer ganzen Bösartigkeit zeigt.

Sie kennen Ulrike Folkerts schon seit 35 Jahren, waren gemeinsam auf der Schauspielschule in Hannover. Folkerts hat sie beim damaligen Südwestfunk auch als zweiten Hauptkommissar neben ihrer eigenen Rolle vorgeschlagen. Haben Sie ihr dafür zum Abschied Blumen überreicht?

Nein, aber ich verdanke ihr viele interessante Erfahrungen. Es war aber nicht so, dass sie mich dem Südwestfunk vorgeschlagen hat und die mich sofort genommen hätten. Die wollten vielmehr einen kleinen, verschwitzten und teigigen Typen, der noch bei Mutti wohnt. Der war ich mit meinen 1,93 nun wirklich nicht. Sie haben mir daher zunächst abgesagt. Doch dann merkten sie nach zwei Folgen, dass es nicht so funktioniert, wie sie sich das gedacht haben. Und weil das mit Ulrike und mir beim Casting sehr gut geklappt hatte - da half uns sicher die gemeinsame Zeit in der Schauspielschule - haben sie bei mir wieder angefragt. Ich habe natürlich mit Freuden zugesagt, denn ich bin in meinem Alter ja ein Kind des Tatortes. Bei der ersten Folge 1970 war ich zehn.

Schmerzt es Sie, dass Sie Folkerts nun nicht mehr regelmäßig am Set begegnen werden?

Wir sind beide keine 18 mehr. Wir werden damit also schon klar kommen. Bei einer derartig langen beruflichen Zusammenarbeit ist das wie in einer Beziehung: Es kann der Tag kommen, an dem es besser ist, sich neu zu orientieren. Nach über 20 gemeinsamen Jahren am Set tun uns beiden neue Herausforderungen gut.

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