Internet als Konkurrenz zu TV und Kino 2016 die Hälfte aller US-Haushalte mit Internet-Fernsehen

Netflix, das Werbung integriert und 7,99 Dollar im Monat kostet, verwertet seine eigenen Inhalte inzwischen wie alle Produzenten, nur in der umgekehrten Reihenfolge. Eine Serie wird deshalb dramaturgisch so geplant, dass man sie später auch im Fernsehen zeigen oder in den DVD-Handel bringen kann: Sony Pictures hat die TV-Ausstrahlungsrechte an House of Cards erworben, The Bannen Way erscheint demnächst auf DVD.

Auch Tom Hanks zählt zu den Stars, die Serien zunächst im Netz verfügbar machen - und erst anschließend im Fernsehen ausstrahlen lassen.

(Foto: AP)

Als Produzenten begannen, die Fernsehverwertung eines Kinostoffs schon beim Entwurf des Drehbuchs mitzudenken, galt das noch als Verrat an der Kunst. Schafft es heute ein Film oder eine Serie aus dem Internet ins Fernsehen, wird das als erstaunlicher Erfolg bewertet. Tatsächlich wird in wenigen Jahren niemand mehr darüber staunen, dass ein Stoff, den das Fernsehen zeigt, ursprünglich für den Vertriebsweg Internet produziert wurde.

House of Cards hat deshalb eine besondere Bedeutung, weil auch amerikanische Networks um die Rechte geboten hatten. Angeblich soll Netflix am Ende mehr als Hundert Millionen Dollar gezahlt haben. Bei einer Konferenz im Dezember sagte Netflix-Geschäftsführer Reed Hastings, man müsse bereit sein, große Summen auszugeben, wenn man den Konkurrenzkampf mit einem Sender wie HBO nicht verlieren wolle.

Youtube startet YouTV

Netflix und HBO wurden Konkurrenten, weil das Internet als Vertriebsweg für fiktionale Inhalte beinahe etabliert ist. Einer Studie zufolge wird bis 2016 die Hälfte aller US-Haushalte Fernsehen über das Internetprotokoll beziehen können. Ob eine Serie im Netz oder als Angebot des klassischen Fernsehens läuft, spielt für den Zuschauer nur eine Rolle, wenn zusätzliche Kosten entstehen.

YouTube, Marktführer unter den Videoportalen, wird demnächst YouTV starten. Circa Hundert neue Kanäle, Original Channels, sollen entstehen, beauftragt wurden Fernsehprofis wie Anthony Zuiker, Erfinder von CSI, Musiker wie Jay-Z oder Parks and Recreation-Hauptdarstellerin Amy Poehler.

YouTube, das zu Google gehört, finanziert die Herstellungskosten vor, die Produzenten zahlen sie später aus ihren Werbeeinnahmen zurück. Google selbst will mit seiner Google TV-Plattform der Flaschenhals für die neue Fernsehwelt im Netz sein, auch Apple und Amazon kämpfen um diese Position. Die deutschen Fernsehintendanten macht das nervös: Sie fürchten, zum Gegenstand fremder Geschäftsmodelle zu werden.

Nach derzeitigem Stand sollen die YouTube-Kanäle nur ein paar Stunden Material pro Woche liefern. Aber dass sie früher oder später 24 Stunden lang an sieben Tagen senden und auch dort neue, eigene Serien und Filme zu sehen sind, ist klar.