Internet als Konkurrenz zu TV und Kino Immer mehr Stars steigen aufs neue Medium um

Teuer produzierte Internet-Serien lassen das Netz zu einer echten Konkurrenz für das klassische Fernsehen werden. Serien wie "The Booth at the End" oder "The Bannen Way" haben Budgets von sechs Millionen Dollar pro Folge. Nun steigen auch Filmgrößen wie Tom Hanks, Kevin Spacey oder David Fincher in das Geschäft ein - und setzen damit ein Ausrufezeichen.

Von Karoline Meta Beisel

Tom Hanks war bislang als Schauspieler und Produzent bekannt. In der vergangenen Woche kam heraus, dass Hanks neuerdings auch Anhänger der Heimat des Fußball-Sechstligisten Eisenhüttenstadt ist, oder, wie der Amerikaner es nennt, "Iron Hut City".

Die Netflix-Chefs Neil Hunt, Reed Hastings und Ted Sarandos (v.l.) während der Vorstellung ihres Programms in London. Auch in England und Irland ist Netflix nun verfügbar.

(Foto: Getty Images for Netflix)

Das Video seines Auftritts in der Late Night Show von David Letterman in New York, wo Hanks von seinem Besuch in "Iron Hut City" schwärmte, wird gerade durch die sozialen Netzwerke gereicht. Das Internet hat Hanks entdeckt und Hanks das Internet. Demnächst wird die von ihm produzierte Animationsserie Electric City ausschließlich im Internet zu sehen sein.

Hanks zählt zu einer immer noch kleinen, aber wachsenden Gruppe, die Serien zunächst im Netz verfügbar machen und erst anschließend im Fernsehen ausstrahlen lassen. Video-on-Demand-Unternehmen wie Netflix setzen für ihre mehr als 20 Millionen Kunden (USA und Kanada) auf exklusive Inhalte und steigen inzwischen auch als Produzenten ins Filmgeschäft ein.

Ende dieses Jahres wird Netflix eine amerikanische Version der britischen Fernsehserie House of Cards anbieten. 26 Episoden wurden mit Regisseur David Fincher verabredet (Verblendung, The Social Network). Fincher wird die erste Folge inszenieren und House of Cards produzieren. Oscar-Gewinner Kevin Spacey wurde für die Hauptrolle engagiert, im Wesentlichen geht es um einen ehrgeizigen Politiker, der ganz nach oben will.

Nicht mehr nur Trash-Clips

Auch Hulu, das zweite große Filmportal, investiert in einen namhaften Regisseur. Richard Linklater (Before Sunrise, School of Rock) wird für Hulu eine Dokumentarserie entwickeln.

Das Internet wird zunehmend Abspielfläche für Filmprojekte, die früher ausschließlich in den Kinos zu sehen waren oder nur im Fernsehen. Nach wie vor gibt es die typischen, das Netz charakterisierenden YouTube-Clips. Doch der Zuschauer gewöhnt sich daran, Filme und Serien online zu konsumieren. Die Zugriffszahlen für Catch-Up-TV, für zeitunabhängiges Fernsehen, steigen, die deutschen Sender bieten in ihren Mediatheken immer umfangreicher die von ihnen produzierten Inhalte an, bei ARD und ZDF sogar kostenlos.

Neben dem bekannten Genre des amateurgemachten Internetfilmchens gibt es inzwischen auch professionelle Akteure: Moderne Web-Serien wie The Booth at the End (Science-Fiction) oder The Bannen Way (Krimi) haben Budgets auf Fernsehniveau. Eine Folge von House of Cards soll bis zu sechs Millionen Dollar kosten. Anders wären Regisseure wie David Fincher oder Schauspieler wie Kevin Spacey auch nicht zu überzeugen als mit einem Produktionsvolumen, das Qualität bei der Herstellung ermöglicht.

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