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Verhandlungen gescheitert:Aus für das Münchner Institut für Rundfunktechnik

Institut für Rundfunktechnik, Floriansmühlstraße 60, BR-Gelände

Das Münchner Institut für Rundfunktechnik

(Foto: Florian Peljak)

Die Gesellschafter, darunter ARD-Sender und das ZDF, können sich nicht auf einen Rettungsplan einigen, zum Jahresende wird das IRT aufgelöst.

Von Anika Blatz

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) wird zum Jahresende aufgelöst. Innerhalb des Gesellschafterkreises von ARD, ZDF, Deutschlandradio, Deutscher Welle, ORF und SRG konnte am Freitag keine tragfähige Mehrheit für die Fortführung des Technikinstituts in München gefunden werden. Damit ist nicht nur das Ende der zentralen medien- und rundfunktechnologischen Grundlagenforschung in Deutschland besiegelt, es verlieren auch rund 100 Angestellte ihren Job.

Leicht haben es sich die 14 Gesellschafter nicht gemacht: mehr als fünf Stunden tagte das Gremium, am Ende kam die Entscheidung zur Auflösung: Es sei kein tragfähiges Modell für eine Fortführung gefunden worden, heißt es dazu in der Pressemitteilung des IRT. Damit bleibe es bei der Kündigung aller Gesellschafter und damit dem Ausstieg zum 31. Dezember.

Zuvor hatte man über Monate ein Zukunftskonzept für das IRT erarbeitet, um die Liquidation zu verhindern. Denn viele Gesellschafter zeigten sich trotz ihrer Kündigung offen für eine Fortführung zu anderen Konditionen. Eine Verkleinerung des Instituts stand im Raum: durch die Reduzierung des Mitarbeiterstabs sollten notwendige Einsparungen erreicht werden, die es den verbleibenden Gesellschaftern ermöglicht hätten, das IRT zukünftig mit der gleichen Summe wie bisher zu finanzieren. Voraussetzung für diese Lösung war jedoch, dass sich eine hinreichende Zahl der Gesellschafter für den Vorschlag ausspricht. Die Entscheidung darüber sollte bereits letzte Woche getroffen werden, wurde dann aber überraschend vertagt. Zu vernehmen war, dass vor allem die kleineren Anstalten für den Erhalt kämpften und dem Gremium deshalb neue Vorschläge unterbreiteten. Mit dem jetzigen Votum haben sich die zerschlagen.

Nicht nur immense Abwicklungskosten kommen jetzt auf die Anstalten zu: Das 1956 gegründete Institut ist Deutschlands wichtigste Forschungseinrichtung im Bereich der Rundfunk- und Medientechnologie. Es war zum Beispiel maßgeblich an der Entwicklung der Technologie für MP3-Player beteiligt, ist international angesehen. Wer diese Forschungslücke nun schließt, ist unklar.

2017 geriet das Institut in die Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass ein von ihm beauftragter Patentrechtsanwalt Patenterlöse in Höhe von bis zu 200 Millionen Euro am IRT vorbeigeschleust haben soll. Der großangelegten Patentrechtsstreit des IRT gegen den Anwalt sowie den Patentverwerter endete mit einem Vergleich, in dessen Rahmen 60 Millionen Euro zurückbezahlt wurden. Den Anstalten wurde danach vorgeworfen, sich nicht ausreichend mit den Aktivitäten des IRT auseinandergesetzt zu haben.

Nach fast 65 Jahren Forschung, wegweisenden Entwicklungen, Ansehen und zahlreicher Preise, beginnt beim IRT ab 1. Januar 2021 die Abwicklung.

© SZ/tyc
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