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Insolvenz:War wohl NIX

Helmut Thomas NRW TV stellt seinen Sendebetrieb ein. Damit haben sich die großen Pläne des früheren Geschäftsführers endgültig erledigt. Kaufinteressenten gab es keine. In wenigen Tagen soll der Regionalkanal abgeschaltet werden.

Von Hans Hoff

Vor etwas über zwei Jahren sah die Zukunft des Regionalsenders NRW TV noch sehr rosig aus. Da hatte der einstige RTL-Chef Helmut Thoma gerade die Geschäftsführung und ein Viertel der Anteile übernommen und blies in den Folgemonaten ein rosa Wölkchen nach dem anderen an den Himmel. Von einem echt jungen Programm, das er unter der Marke NIX TV an den Mann bringen wollte, schwadronierte er und drohte quasi nebenbei den Lizenzinhabern der Fußballrechte, eben diese auszuhebeln durch Smartphone-Nutzer, die aus den Stadien streamen sollten. Zum Nulltarif für NRW TV.

Geblieben ist von all den Vorhaben letztlich nur das, was das Jugendangebot im Titel schon andeutete. Erst verschwand NIX TV aus dem Angebot, dann wartete man vergeblich auf die angekündigten Fußballberichte und musste sich stattdessen begnügen mit irgendwelchen Billigfilmen, die mehrheitlich aussahen, als habe Thoma sie direkt aus dem Achtzigerjahre-Angebot von RTL kopiert. Werbekunden fanden das offenbar nicht so toll und machten sich rar. Ende vergangenen Jahres gab dann Thoma die Geschäftsführung ab.

Schon da hätte man ahnen können, dass im Sender, der mit einer Reichweite von rund 3,5 Millionen Kabelhaushalten in NRW warb, nicht alles zum Besten bestellt war. Am 1. März stellte schließlich der neue Geschäftsführer Insolvenzantrag. Ein paar Wochen lang mühte sich der zuständige Insolvenzverwalter um Kaufinteressenten, blieb aber letztlich erfolglos. Dementsprechend informierte er die 15 Beschäftigten nun über die Schließung ihres Senders, der am Dienstag noch Wiederholungen ausstrahlte, aber nichts Neues mehr ins NRW-Kabelnetz und ins Internet sendete. Wann das Signal endgültig abgeschaltet wird, konnte der Insolvenzverwalter am Dienstag nicht sagen. Es dürfte sich aber allenfalls um Tage handeln.

© SZ vom 11.05.2016
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