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Insolvente Frankfurter Rundschau:Kartellamt entscheidet über Zukunft der FR

Noch in dieser Woche könnte sich entscheiden, ob die FAZ die insolvente Frankfurter Rundschau übernehmen darf. Entscheidet das Bundeskartellamt positiv, soll bereits am Donnerstag der Vertrag unterzeichnet werden. Auch wenn die meisten FR-Angestellten von der Übernahme nicht profitieren würden.

Auf der Webseite der Frankfurter Rundschau, in der rechten Spalte neben den Artikeln, ist der Optimismus platziert: "Die FR erscheint weiter" heißt es da, und dass die Leser der Zeitung mit einem "Solidaritätsabo" helfen können. Zitiert wird der zuständige Insolvenzverwalter Frank Schmitt mit dem Satz: "Alles, was aktuell zum Umsatz beiträgt, ist hilfreich."

Mehr als drei Monate ist es her, dass die FR Insolvenz anmelden musste - in den kommenden Tagen wird sich wohl entscheiden, wie es mit dem traditionsreichen Blatt weitergehen wird. Mitte dieser Woche soll SZ-Informationen zufolge das Bundeskartellamt über eine mögliche Übernahme der FR durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung entscheiden. Wenn das Kartellamt die Übernahme erlaubt, könnte die FAZ offenbar noch am Donnerstag den Kaufvertrag unterschreiben. Wenn nicht, könnte die FR wohl bereits am Freitag nicht mehr erscheinen. Das Kartellamt bestätigte auf Anfrage lediglich, dass die Prüfung laufe. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte, mit dem möglichen Käufer sei alles ausverhandelt.

Das Kartellamt hatte Ende Januar erklärt, die Übernahme zu prüfen und damit erstmals offiziell bestätigt, dass es sich bei dem Interessenten für die FR um die FAZ handelt. Käme es zu einer Übernahme, wären mit FAZ, FR und Frankfurter Neue Presse (FNP) drei Zeitungen durch die Fazit-Stiftung als Mehrheitseigner unter einem Dach vereint - und diese in Frankfurt damit in einer komfortablen Situation.

Dass das Kartellamt nun über das FAZ-Angebot entscheidet, liegt auch daran, dass der einzige Konkurrent für eine Übernahme seit Ende vergangener Woche nicht mehr im Rennen ist. Der türkische Verleger Burak Akbay, der in der Türkei die links-nationalistische Zeitung Sözcü herausgibt, hatte zwar sein Angebot nachgebessert. Der Gläubigerausschuss aber bewertete die Offerte als nicht ausreichend.

Phase der Unsicherheit könnte enden

Für die Journalisten der FR und der Berliner Zeitung, die sich eine Gemeinschaftsredaktion in der Hauptstadt teilen, ginge mit einer Entscheidung des Kartellamts eine lange Phase der Unsicherheit zu Ende. Auch konkrete Planungen für Geschichten sollen zuletzt schon schwierig gewesen sein - weil man ja nicht wusste, welche Kollegen bald noch einen Job haben, und welche Zeitung in welcher Form überhaupt noch erscheint.

Für die meisten Angestellten der Frankfurter Rundschau würde eine Übernahme durch die FAZ aber wohl trotzdem eine Kündigung bedeuten. Nur 28 der etwa 420 Mitarbeiter sollen offenbar übernommen werden, einige haben das Unternehmen bereits verlassen. Für die nicht übernommenen Mitarbeiter wurde eine Transfergesellschaft eingerichtet.

Mit der Insolvenz der FR endete im November eine jahrelange Krisengeschichte. Das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main hatte am Ende keine Perspektive gesehen, die FR in absehbarer Zukunft ohne Zuschüsse der Gesellschafter zu betreiben. Bislang gehört die FR dem Verlag M. DuMont Schauberg, der SPD-Beteiligungsgesellschaft DDVG und der Karl-Gerold-Stiftung.