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Ingeborg-Bachmann-Preis im Fernsehen:Diese Zumutung muss sein

Bachmannpreis

Hier wird ernsthaft über Literatur gesprochen: Die  Mitglieder der Bachmannpreis-Jury Hubert Winkels, Daniela Strigl und Meike Feßmann (v.l.n.r.).

(Foto: Puch Johannes)

Die Tage der deutschsprachigen Literatur sind ein Fossil des Fernsehens - aber auch eine Castingshow par excellence. Während DSDS und GNTM an ihrem Konzept herumdoktern, funktionieren die TDDL immer noch gut - nach altbewährtem Muster.

Er ist gerettet. Der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, der in Klagenfurt nur der "Bewerb" heißt - wie immer im Österreichischen eine Spur neben dem Hochdeutschen - bleibt dem Fernsehen erhalten. Die erlösenden Worte sprach am Sonntagmorgen ORF-Intendant Alexander Wrabetz und danach wurde das Hochamt des Literaturjahres so erleichtert begangen wie wohl noch nie zuvor. Der große Vorsitzende der Jury, Burkhard Spinnen, hielt eine für seine Verhältnisse bemerkenswert kurze Abschlussrede und grüßte an deren Ende sogar seine Mutter.

Doch was haben sie da eigentlich für ein merkwürdiges Fernsehfossil erhalten, all die Kulturbetriebsmenschen, die aufgeschrien hatten in den vergangenen zwei Wochen, als der Wettbewerb vor dem Aus stand?

Drei Tage lang anstrengende Texte lesen

Eigentlich war ja nicht die Gefährdung des Wettbewerbs verwunderlich, sondern dass es ihn überhaupt noch gibt. Dass nicht schon längst ein Programmchef die Kameras ausgeschaltet und den Bewerb zur Kärntner Lesebühne degradiert hat mit den Worten: "Macht ihr mal eure Hochliteratur, aber die Masse wollt ihr doch damit nicht belästigen."

Denn drei Tage lang anstrengende Texte vorlesen und sie dann ausgiebig diskutieren zu lassen von sieben Menschen, die nicht Reich-Ranicki heißen und deren Legitimation sich nur noch älteren Deutschlehrern erschließt - das ist nach Fernsehmaßstäben nichts anderes als eine Zumutung.

Literatur als Netzevent

Und doch sahen Menschen in 60 Ländern und auf fünf Kontinenten den Wettbewerb an. Es soll Leute geben, die sich für Bachmann Urlaub nehmen. Nicht, um hinzufahren, sondern um die 3sat-Übertragung anzusehen. Und auch Menschen, die im Büro den Live-Stream laufen lassen, oder die, wenn auch das nicht geht, sehnsüchtig twittern, dass sie ja leider arbeiten müssen, Hashtag #tddl - Tage der deutschsprachigen Literatur.