bedeckt München 21°

Im Visier der Nachbarn:Al Jazeera - gefürchtete Stimme der Massen

International, beliebt und sehr umstritten: ein Blick in das Nachrichtenstudio von Al Jazeera in Katars Hauptstadt Doha.

(Foto: Osama Faisal/AP)

Mit seiner professionellen Machart erreicht der TV-Sender weltweit Millionen Zuschauer. Kritiker werfen ihm vor, den Terrorismus zu fördern. Saudi-Arabien will Katar nun zwingen, den Sender zu schließen.

Seit 186 Tagen prangt das rundliche Gesicht von Mahmoud Hussein auf der Internet-Startseite von Al Jazeera. Der ägyptische Journalist mit der randlosen Brille, der seine Hände häufig zur Merkel-Raute formt, sitzt seit Ende März in Kairo in Haft. Seine Kollegen von Al Jazeera fordern seine Freilassung, doch das Regime in Kairo scheint nicht einmal daran zu denken.

Die Behörden werfen ihm vor, falsche Nachrichten verbreitet zu haben, um den Staat zu diffamieren. Der Sender weist die Vorwürfe als "gegenstandslos" zurück und wirft wiederum den Behörden vor, sie würden Aussagen durch Gewalt erzwingen. Seit Ende Mai ist die Webseite von Al Jazeera in Ägypten nicht mehr aufrufbar.

Nun soll Katar, so fordern es Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten, binnen zehn Tagen den Fernsehsender Al Jazeera komplett schließen. Der katarische Außenminister Mohammed bin Abdulrahman al Thani schloss das am Freitag im Gespräch mit France 24 aber aus.

Katar Ultimatum an den Emir
Saudi-Arabien

Ultimatum an den Emir

Dreizehn Forderungen, zehn Tage Zeit: Saudi-Arabien und mehrere Golf-Staaten verlangen von Katar praktisch die Unterwerfung. Darauf dürfte sich das Emirat kaum einlassen   Von Paul-Anton Krüger

Auch andere von Katar direkt und indirekt finanzierte Medien sollen den Forderungen zufolge eingestellt werden, etwa die Nachrichtenportale Arabi21, Rassd, Al Arabiya Al-Jadeed und Middle East Eye; die beiden letzteren richten sich vor allem an ein internationales Publikum.

Das ägyptische Nachrichtenportal Rassd wurde 2011 während der Demonstrationen gegen Ägyptens damaligen Machthaber Hosni Mubarak gegründet und etablierte sich als Stimme der jungen Revolutionäre. In Saudi-Arabien und den Emiraten ist die Webseite des Portals seit mehr als zwei Jahren geblockt.

International professioneller Ruf

Kritische Karikaturen, auf denen die blutigen Hände der Mächtigen aus Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und den Emiraten zu sehen sind, die auf Katar zeigen und "Terroristen" rufen, findet man dort genauso wie Kurzvideos über den Hochhausbrand in London.

Das bekannteste Medium, auf das die Forderungen an Katar zielen, ist jedoch Al Jazeera. Der Sender, auf Deutsch "die Insel", wurde 1996 vom damaligen katarischen Staatsoberhaupt Hamad bin Chalifa Al Thani als erster transnationaler arabischer Nachrichtensender in Doha gegründet.

Mittlerweile hat sich Al Jazeera zu einer globalen Medienmarke mit mehr als 80 Standorten entwickelt und erreicht nach eigenen Angaben täglich 310 Millionen Haushalte. Als das Medium 2006 seinen englischsprachigen Sendebetrieb aufnahm, erarbeitete es sich auch international einen professionellen Ruf.