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Im Gespräch: Olivier Toscani:"Fernsehen macht aus Menschen Idioten"

Ausgerechnet Fotograf Oliviero Toscani, der mit seinen Benetton-Kampagnen weltweit für Aufsehen sorgte, sitzt nun in der Jury bei Artes erster Castingshow. Warum nur?

Der deutsch-französische Kulturkanal Arte wird in diesem Jahr erstmals eine Castingshow ausstrahlen. Gesucht werden hier weder Popsänger noch Nachwuchsmodels - in der Sendung "Photo for Life" sucht Arte einen neuen Superfotografen. Aus 600 Bewerbungen werden sechs Kandidaten ausgewählt, die dann in einer Art Workshop ihr Können unter Beweis stellen. Die fünf TV-Episoden werden Ende 2011 auf Arte ausgestrahlt. Chef der Jury ist der italienische Fotograf Oliviero Toscani. Der 69-Jährige wurde in den achtziger und neunziger Jahren mit seinen Fotos für Werbekampagnen des Modelabels Benetton berühmt. Unter dem Slogan "United Colors of Benetton" setzte er damals unter anderem Todeskandidaten, HIV-Infizierte oder ein Flüchtlingsschiff in Szene. Eine Kampagne gegen die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten sorgte für einen Eklat, woraufhin Benetton und Oliviero Toscani ihre Zusammenarbeit beendeten. Toscani lebt in der Toskana.

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Mit Bildern von Todeskandidaten, HIV-Infizierten, Flüchtlingsschiffen oder Naturkatastrophen machte Oliviero Toscani einst berühmte Werbung für Benetton. Das Bild zeigt eine seiner Kampagnen für die Modemarke Nolita, die in Italien für Aufsehen sorgte.

(Foto: AFP)

SZ: Herr Toscani, warum sind Sie Fotograf geworden?

Oliviero Toscani: Es gab keine bestimmte Motivation. Mein Vater war Fotograf, dadurch lernte ich früh, mit Kameras umzugehen. Ich fragte mich oft, ob ich nicht etwas anderes tun könnte. Aber es war einfach eine tolle Zeit für Fotografen Anfang der sechziger Jahre. Ich konnte um die ganze Welt reisen, war überall, führte ein privilegiertes Leben. Und ich konnte dabei sein, als sich die Fotografie weiterentwickelte.

SZ: Nun sind Sie 69 Jahre alt und geben Ihren Namen für eine Talentshow her. Was erwarten Sie?

Toscani: Ich finde die Sendung interessant, weil ich wissen will, wie junge Fotografen heute denken. Kein Teilnehmer ist älter als 30 Jahre, darunter viele, die gerade das Studium beendet haben.

SZ: Ist es heute einfacher Fotograf zu sein als früher, als Bilder noch entwickelt werden mussten?

Toscani: Heute braucht keiner mehr eine große Kamera mit Objektiv, um Bilder zu schießen. Es reicht ein Telefon. Aber diese Kommunikationsmaschine macht noch keinen guten Fotografen, auch wenn viele das Gegenteil denken. Es sind ja auch noch lange nicht alle Autoren, nur weil fast alle lesen und schreiben können. Deshalb gibt es immer noch einen Bedarf an echten Fotografen, die mit ihren Bildern eine Geschichte erzählen. Die suchen wir in der Sendung.

SZ: Das Prinzip Castingshow funktioniert in Deutschland bisher so, dass vor allem die Sender profitieren - die Gewinner verschwinden in der Versenkung.

Toscani: Wir machen keine flache Show wie Germany's Next Topmodel. Bei uns reicht es nicht, gut auszusehen. Es geht um richtige Talente.

SZ: Das behaupten alle.

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