"Im Bett mit Paula" auf ZDF kultur Dann lieber gar kein Vorspiel

Autorin und Kolumnistin Paula Lambert bezieht bei ZDF kultur einen Sendeplatz zur Zwischenmiete und möchte "so 'ne Art intellektuelle Sex-Sendung" präsentieren. Den fachlichen Hintergrund darf man ihr zugestehen. Herausgekommen ist aber eine Sendung, die vor allem egal und auch ein wenig ärgerlich ist.

Von Cornelius Pollmer

Am Sonntag um 22 Uhr läuft auf ZDF kultur normalerweise das Talkformat Roche & Böhmermann, das bisher durch zwei Dinge aufgefallen ist. Zum einen durch eine abenteuerliche Amplitude seiner Qualität: Einige Sendungen erreichten AAA, andere scheiterten komplett. Zum anderen durch eine wunderbare Zusammenstellung der Gäste - Erpresser Arno Funke saß mit Schauspielerin Anna Fischer am Tisch, Aktivistin Jutta Sundermann mit Ochsenknecht-Sohn Wilson Gonzalez.

Paula Lambert in ihrer Talksendung "Im Bett mit Paula", ab 8. Juli auf ZDF kultur.

(Foto: ZDF/Jens Staeder/dpa)

Als die Autorin und Kolumnistin Paula Lambert bei Roche & Böhmermann zu Gast war, erzählte sie, was in der Sommerpause der Sendung auf ZDF kultur zu sehen sein wird. Lambert nämlich bezieht diesen Sendeplatz zur Zwischenmiete und möchte "so 'ne Art intellektuelle Sex-Sendung" präsentieren.

Den fachlichen Hintergrund darf man ihr zugestehen. Bei Roche & Böhmermann wurde Lambert als "zweites Bumsbuchflittchen des Abends" vorgestellt. Sie hat, ähnlich wie Charlotte Roche, zwei Bücher geschrieben, in denen es um Sex geht, und sie schreibt für das Herrenmagazin GQ eine Kolumne, in der es um Sex geht. Nun also moderiert Lambert auch noch Im Bett mit Paula, eine Sendung, in der es . . . ach, ja. "Es gibt niemanden, der über Sex spricht", hat Lambert vor einer Weile behauptet, und dann hat sie diese falsche Beobachtung zur Arbeitsthese heraufgestuft. Herausgekommen ist eine Sendung, die vor allem egal und auch ein wenig ärgerlich ist.

In der ersten Ausgabe liegen nacheinander der Moderator Nilz Bokelberg und der Filmemacher RP Kahl in einem Bett mit Paula Lambert. Ersteren fragt sie, ob er schon mal Viagra genommen habe. Antwort: "Nee, aber Pistazien". Filmer Kahl hat sich schon mal selbst produziert, vor der Kamera. Von ihm möchte Lambert wissen, worin der künstlerische Sinn bestehe, in einer Frau zu stecken. Lambert berichtet von Gefahren durch Sandflöhe an asiatischen Stränden und von einem Kugelfischextrakt, das "den Schwanz in die Höhe treibt". Sie findet sich dabei ein bisschen zu lustig, und ein bisschen zu souverän in ihrer sehr demonstrativen Ungezwungenheit. Als wäre es schon ein Wert an sich, Vagina und Penis nicht bei Spitznamen zu nennen.

Minimalismus mit Konzeptlosigkeit verwechselt

Im Bett mit Paula ist nicht unbedingt glitschig, anstößig, vulgär. Leider ist die Sendung genauso wenig: unterhaltsam, witzig, erhellend. Das liegt teilweise an den Gästen, deren Antworten oft den Charme und die geistige Tiefe einer Straßenumfrage haben. Es liegt auch an Paula Lambert, deren plakative Fragen oft kein Ziel haben und nie einer Dramaturgie folgen. All dies fällt schnell auf in einem Set, bei dem Minimalismus mit Konzeptlosigkeit verwechselt wurde.

Es gibt viele Leute, die über Sex sprechen. Das hat bei Erika Berger vielleicht mal als Sendung funktioniert, aber da war das Fernsehen noch analog und nicht so endlos von sich selbst gelangweilt. Im Bett mit Paula ist der Versuch, erst ein Tabu zu behaupten, und es dann angeblich zu brechen. Dieser Versuch also wird von einem namentlich kulturellen Spartenkanal unternommen, der für das große ZDF Wichtigeres zu leisten hätte - zum Beispiel die Entwicklung einer nennenswerten und guten Literatursendung.

Im Bett mit Paula, ZDF kultur, sonntags, 22 Uhr.

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