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ZDF: Illner im "heute journal":Da kommt noch was

ZDF-Talkerin Maybrit Illner bekommt einen Zweitjob: Nach dem Abgang von Steffen Seibert wird sie an seiner Stelle das "heute journal" moderieren. In der Nachrichtensendung will Illner eigene Akzente setzen.

In dem 2003 erschienenen Buch Ente auf Sendung bekannte Maybrit Illner, sie sei ein Fan von Wolf von Lojewski, der lange Zeit das heute journal moderierte: "Was mir am meisten an ihm gefiel, war die Fähigkeit, sich in aller Öffentlichkeit zu wundern". Der welterfahrene Reporter habe "offenkundig mehr Fragen als Antworten" gehabt. "Nichts schadet unserer Arbeit mehr als Vorurteile und voreilige Schlüsse", schrieb Illner.

Maybritt Illner uebernimmt 'heute-journal'

Ab September übernimmt Die Moderatorin Maybrit Illner zusätzlich zu ihrer politischen Talkshow die Moderationsanteile von Steffen Seibert im "heute-journal". Seibert wechselt als Regierungssprecher nach Berlin.

(Foto: ddp)

Der Fernsehzuschauer kann sich von 4. September an immer wieder mal ein Bild davon machen, ob die 45-Jährige im heute journal auch eine so gute Rolle abgibt wie einst der Mann, den sie "Lojo" nannten. Das ZDF teilte am Montag mit, Illner werde künftig "die Riege der Hauptmoderatoren" Marietta Slomka und Claus Kleber ergänzen. Wenn die beiden in Urlaub oder für Dokumentationen unterwegs sind, soll Illner sie vertreten. Das werden schätzungsweise vierzig Sendungen im Jahr sein. Ihre Talkshow am Donnerstagabend wird sie behalten. Mittwochs und donnerstags macht sie deshalb kein heute journal. Mehr Geld bekomme sie für den Nebenjob nicht, heißt es in Mainz. Nicht mal eine Zulage?

Illner ersetzt den Ergänzungs-Moderator Steffen Seibert, der in der nächsten Woche als Regierungssprecher in Berlin anfängt. Seibert war seit 2007 der Ersatzmann im heute journal. Seinen Stammplatz neben Petra Gerster als Hauptmoderator der heute-Sendung um 19 Uhr wird der derzeitige Leiter des Washington-Studios des ZDF, Matthias Fornoff, Jahrgang 1963, einnehmen. Das ZDF meint in einer Mitteilung, Fornoff sei "bundesweit bekannt" geworden "durch seine Live-Schalten und Reportagen aus dem Hochwasser-Gebiet an der Oder im Sommer 1997". Offenbar ist er damals bei der Arbeit nicht untergegangen. Er soll in diesen Wochen bei Probesendungen eine gute Figur gemacht haben.

Während das Erste in Anne Will, Sandra Maischberger und Frank Plasberg derzeit drei Talker im Polit-Milieu hat und 2011 noch den Superprofi Günther Jauch mitreden lässt, hat das Zweite nur Maybrit Illner. Vier gegen eins - das wird nicht fair, aber Illner kann viele Rollen, und auch andere Moderatoren suchen sich immer mal wieder neue Spielflächen. Im Oktober 1999 begann sie mit der Sendung Berlin Mitte, die seit einigen Jahren Maybrit Illner heißt. Seit fast elf Jahren macht sie also Polittalk. Da kann noch was Neues kommen.

Handwerklich wird das heute journal kein Problem für sie. Wie man eine Nachricht schreibt, was ein Bericht ist, hat sie schon als junge Journalistin gelernt. Der Nebenjob kann ihr zudem im Konkurrenzkampf mit den Polit-Gesprächen der ARD nützen: Wenn das Erste im nächsten Jahr seine Talkschiene nach den Tagesthemen startet, wird die Jagd nach den besten Gästen der Woche erst richtig losgehen; das heute journal könnte Illner im politischen Hardcore-Geschäft attraktiver machen.

Illner gilt als sehr unerschrocken und auch schlagfertig. Angst vor großen Namen hat sie nicht. In einem "Selbstgespräch" für die sueddeutsche.de-Serie "Wozu noch Journalismus?" hat sie neulich erklärt, "wer durch Liebedienerei bestimmten Parteien oder Personen gegenüber seine Karriere zu fördern" versuche, sei für sie "kein Journalist". Bevor im Vorjahr die Union, allen voran der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) im ZDF-Verwaltungsrat durchsetzte, dass der Vertrag mit dem damaligen ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nicht verlängert wurde, hatten vierzehn leitende Redakteure des Hauses einen offenen Brief gegen die "gefährliche Einmischung der politischen Parteien in die Souveränität" des ZDF formuliert.

Unterschrieben haben damals unter anderem der heutige Chefredakteur Peter Frey, Kleber, Slomka und auch Illner. Nicht unterschrieben haben unter anderem Seibert und der damalige Hauptstadt-Korrespondent Peter Hahne, der mittlerweile eine eigene Sendung hat. Auch fürs Nicht-Unterschreiben solcher Erklärungen gibt es gute Gründe, aber manchmal geht es in dem Beruf einfach um Haltung. "Auch in den Aufsichtsgremien braucht es eben mehr unabhängige Personen" kommentierte Illner in dem "Selbstgespräch" die Polit-Attacke gegen Brender.

Im heute journal werde die Neue "vor allem mit Interviews neue Akzente setzen", teilte jetzt das ZDF mit. Vielleicht ist das keine Übertreibung: "Wer in einem Interview nur noch die Bestätigung dafür sucht, was er ohnehin schon zu wissen glaubt, muss es eigentlich erst gar nicht führen", stellte Illner einst in dem Entenbuch fest.

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