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Idil Üner im Porträt:Türkische Lieder statt französischer Chansons

"Mein Elternhaus hat nichts mit diesem traditionell türkischen Elternhaus zu tun, wie viele sich das vielleicht vorstellen", sagt sie. "In meinem politisch aktiven Elternhaus spielte Religion keine Rolle. Meine Eltern sind Intellektuelle, die mich liberal und offen erzogen haben, die darauf gedrungen haben, dass ich Abitur mache, dass ich studiere, dass ich mich so gut wie möglich entwickeln kann."

So gesehen ist Idil Üner das Gegenteil der nur aufgeklärt scheinenden Hatice, die sich nicht wirklich von den Konventionen ihres Elternhauses gelöst hat. Idil Üner nennt sich selbst eine moderne "Berlinerin", sie lebt mit dem österreichischen Schauspieler Laurens Walter und zwei Kindern in Steglitz. Aber sie ist in gewisser Hinsicht nicht viel weiter als Hatice, weil sie oft auf die Rolle ihrer Herkunft festgelegt bleibt. In Hamburg haben gerade die Dreharbeiten für eine ZDF-Serie begonnen, beste Sendezeit am Samstag um 19.25 Uhr. Zunächst zwölf Folgen, Idil Üner hat eine der beiden Hauptrollen übernommen, die Serie heißt "Sibel und Max".

Ausstellung "Farben der Gesellschaft"

"Eine Deutschland-Reportage"

Und was spielt Idil Üner? Sie spielt eine türkeistämmige deutsche Ärztin, deren 17-jähriger Sohn die 16-jährige Tochter eines deutschen Arztes schwängert.

Tolle Sache, sagt sie. Andererseits . . .

Idil Üner wollte sich gern in ihrem Berliner Lieblingscafé treffen. Das Café Brel sieht französischer aus als manches Café in Paris. Idil Üner fühlte sich schon mit 15, 16 zur französischen Kultur hingezogen. Sie liebte es, Chansons öffentlich vorzutragen. Aber als sie dann in einem Kinofilm sang, trug sie ein langes rotes Kleid, stand vor einer Moschee in Istanbul und sang türkische Lieder; Fans von Fatih Akins "Gegen die Wand" werden sich an diese irisierenden musikalischen Zwischenspiele erinnern, die die Geschichte in eine Zwischenwelt verlagerten - die Welt von Menschen, deren Eltern Türken sind und die in Deutschland geboren werden und dort aufwachsen. "Ein eigenes Völkchen" nennt Idil Üner diese für sie mit dem besten aus zwei Welten beschenkte Generation.

Wenn da nicht die Schubladen wären, die in unsere Welt überall eingebaut sind.

Schon vor 14 Jahren hatte sie sich in einem Interview beklagt, immer damit zu kämpfen zu haben, "mich aus bestimmten Schubladen hervorzuziehen, entweder aus der türkischen Schauspielerinnenecke oder aus der Hübsche-Weibchen-Ecke."

Und nun? Hat sich etwas geändert?

Wie immer zögert Idil Üner keine Sekunde, bevor sie antwortet. Sie schickt nur ein kurzes Seufzen vorneweg.

"Mein Umgang damit hat sich vielleicht geändert. Grundsätzlich bin ich sehr viel entspannter geworden, und ich versuche, aus den Projekten, in denen ich mitwirke, das Beste zu machen. Früher habe ich mich viel mehr dagegen gestemmt."

In dieser Antwort schwingt ein wenig Resignation mit und viel Einsicht in die Realität. Sie bekomme nun mal immer wieder diese Rollen angeboten. Das sei einerseits ein Bonus, "weil sie dann zu niemand anderem gehen, sondern zu mir kommen."

Andererseits . . .