HSBC-Skandal Buckeln vor der Bank

Der Journalist Peter Oborne erhebt schwere Vorwürfe gegen die britische Zeitung "Daily Telegraph", bei der er lange gearbeitet hat. Aus Sorge um Anzeigenkunden habe sie über Steuerskandale nicht berichtet.

Von Björn Finke, London

Nicht weniger als "Betrug am Leser" wirft Peter Oborne seinem früheren Arbeitgeber vor. In Großbritannien ist der 57-Jährige ein bekannter politischer Journalist und Autor, er war Chef-Kommentator der überregionalen Tageszeitung Daily Telegraph, deren Auflage bei einer guten halben Million liegt. Doch im Dezember kündigte er bei dem Blatt - und veröffentlichte nun die Begründung dafür in einem recht langen Text auf einer Internetseite. Demzufolge geht Oborne, weil er das Buckeln vor wichtigen Anzeigenkunden nicht mehr erträgt. Etwa vor der Bank HSBC, die gerade im Zentrum eines Steuerskandals steht.

Die Affäre macht weltweit Schlagzeilen. Im Telegraph seien diese Schlagzeilen allerdings seltsam klein ausgefallen, klagt Oborne: "Man brauchte ein Mikroskop, um die Berichterstattung zu finden."

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Die Schweizer Niederlassung der Londoner Bank soll Kunden über Jahre dabei geholfen haben, Geld vor dem Fiskus und Fahndern zu verstecken. Medien in mehreren Staaten hatten vertrauliche Unterlagen ausgewertet, die von einem früheren HSBC-Mitarbeiter stammen. Die Ergebnisse dieser Recherchen wurden jetzt veröffentlicht - auch von der Süddeutschen Zeitung. Aber dieser Skandal, schnell Swiss-Leaks getauft, habe im Telegraph nur am Rande stattgefunden, schreibt Oborne. Weil die Führung der Zeitung den wichtigen Anzeigenkunden HSBC nicht verärgern wolle, behauptet er. Schon früher seien deswegen kritische Berichte über die Bank nicht gedruckt worden.

Das Blatt erwirtschaftet Gewinn, hat jedoch wie alle Zeitungen mit der Konkurrenz von Nachrichtenseiten im Internet zu kämpfen. In den vergangenen zwei Jahren strich der Verlag mehr als 100 Redakteursposten. Obornes Vorwürfe weist der Telegraph zurück: Sie seien "überraschend und unbegründet, voller Ungenauigkeiten und Unterstellungen".