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Netflix-Serie:Generation Z auf dem Gefühlskarussell

jetzt Julia Schubert How to sell drugs online fast

How to sell drugs online (fast): Kaum zu glauben, dass diese Netflix-Produktion aus Deutschland kommt.

(Foto: Netflix)

"How to Sell Drugs Online (Fast)" vereint Liebeskummer, Eifersucht, das Darknet und den Handel mit Ecstasy. Erstaunlich, dass so etwas aus Deutschland kommt.

Von Benjamin Emonts

Ein Jahr muss Moritz (Maximilian Mundt) warten, bis seine Freundin Lisa (Lena Klenke) endlich vom Schüleraustausch aus den USA zurückkommt - und dann? Steht sie nicht mehr auf ihn. Stattdessen fährt sie plötzlich auf Partys und Ecstasy-Tabletten ab, noch dazu auf den muskelbepackten Sunnyboy Dan (Damian Hardung), der die ganze Schule mit Drogen versorgt. Dem blassen Computer-Nerd Moritz bleibt da nicht mehr viel übrig. Mit seinem todkranken Freund Lenny (Danilo Kamperidis) programmiert er einen effektiven Drogen-Versand im Darknet, dem verschlüsselten Teil des Internets. Lisa, so hofft er, wird danach bestimmt wieder anbeißen.

Darum geht's in der Netflix-Serie How to Sell Drugs Online (Fast): um Liebeskummer, Eifersucht, das Darknet und den handel mit Ecstasy. Nach Dark und Dogs of Berlin ist diese Serie inzwischen die dritte deutsche Produktion von Netflix; vollendet hat sie dieses Mal die Kölner bildundtonfabrik (btf), die auch das Neo Magazin Royale des Satirikers Jan Böhmermann produziert und sich jetzt erstmals an einen fiktiven Stoff gewagt hat.

Im Mittelpunkt des Gefühlskarussells steht die Generation Z, die sich über ihre unbegrenzten technologischen Möglichkeiten im Internet definiert. Über den Bildschirm huschen im Minutentakt Chat-Verläufe, Facebook-Likes und Profilbilder aus den angesagten sozialen Medien. "Jeder von uns könnte mit einem Klick berühmt werden, von seinem Kinderzimmer aus die Welt verändern", sagt Moritz, ausnahmsweise mal selbstbewusst. An exakt so einer (Helden-)Geschichte lehnen sich die Regisseure Lars Montag und Arne Feldhusen auch an. Der reale Leipziger Dealer Maximilian S., der aus seinem Kinderzimmer heraus fast eine Tonne Drogen über das Internet verkauft hat, galt ihnen als Vorlage. 2015 fand die Polizei bei ihm Koks, Speed, Pillen, MDMA und LSD im Wert von vier Millionen Euro. Ein Gericht verurteilte ihn zu sieben Jahren Haft.

Dem Serienhelden Moritz und seinem Freund Lenny wünscht man ein besseres Ende, zumal die sechs Folgen à 30 Minuten geradezu nach einer Fortsetzung schreien. Den Machern ist es gelungen, eine kreative, abwechslungsreiche Mischung aus Gangstergroteske und Coming-of-Age-Komödie zu schaffen, so gut gefilmt, dass man sie kaum für eine deutsche Produktion halten möchte. Rasante Dialoge und bestens getroffene Charaktere wie der des schrägen Dealers Buba, gespielt von Bjarne Mädel (siehe Interview), machen die Serie meist unterhaltsam. Pubertierende Jugendliche muss man allerdings aushalten können.

© SZ vom 03.06.2019

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