House of Cards Fürchtet euch!

House of Cards geht in die fünfte Staffel, die erste mit Donald Trump als neuem US-Präsidenten.

(Foto: Netflix/Sony)

Trump ist an der Macht, "House of Cards" geht in Staffel fünf - und was jetzt? Der Präsident habe alle Ideen geklaut, sagt Robin Wright. Doch genau das könnte der Serie gut tun.

Von Jürgen Schmieder

Am Ende der vergangenen Staffel von House of Cards blickte die Präsidentengattin Claire Underwood zum ersten Mal selbst direkt in die Kamera. Gewöhnlich tut das nur ihr Ehemann Frank, er erklärt den Zuschauern dann, wie das so läuft mit der amerikanischen Politik. Auch diesmal spricht nur Frank: "Ganz richtig: Wir beugen uns nicht dem Terror. Wir sorgen selbst für den Terror." Ein furchteinflößender Satz, aber nicht so furchteinflößend wie der Blick von Frau Underwood.

Man konnte in den vergangenen Jahren immer wieder lesen, dass diese Figur an die ehemalige Präsidentengattin und ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton erinnern würde. Doch gegen Claire Underwood ist Clinton eine warmherzige Mutti, der es ein wenig an politischem Ehrgeiz mangelt. Underwood hat ihre eigene Mutter getötet, um sich die Gunst der Wähler zu sichern. Claire ist die Figur, vor der sich alle fürchten. Man ahnte zum Ende von Staffel vier, dass daraus noch mehr werden würde.

Tatsächlich aber steht die Politserie House of Cards vor Beginn der fünften Staffel, deren Episoden in den USA am kommenden Dienstag auf Netflix bereitgestellt werden (und in Deutschland beim Bezahlsender Sky zu sehen sind), vor einem dramaturgischen Problem: Donald Trump. Kaum eine politische Serie kommt derzeit ohne den Vergleich mit dem Machiavelli-Politikclown und den realen Vorkommnissen im Weißen Haus aus. "Er hat all unsere Ideen geklaut", sagte Underwood-Darstellerin Robin Wright kürzlich in einer Talkshow: "Wir haben keine Ahnung, was wir in den kommenden Staffeln machen werden."

Ist Claire Underwood bald selbst Präsidentin?

Andererseits, genau das könnte die Stärke werden von House of Cards. So faszinierend es war, Underwood in den ersten beiden Staffeln beim Platzieren der Figuren auf dem Schachbrett zuzusehen, so dröge war er als polternder Präsident. Die Serie nahm erst in der vergangenen Staffel wieder an Fahrt auf, als er zum strippenziehenden Wahlkämpfer mutierte und die Ambitionen seiner Frau in dieser Scharade erkennbar wurden.

Die Serie braucht Claire Underwood als Gleichgewicht auf Augenhöhe, der Teaser zur neuen Spielzeit deutet bereits an, dass sie womöglich bald selbst Präsidentin werden könnte. Am Ende heißt es in Anspielung auf den Schwur auf die US-Flagge: "One Nation, Underwood." Nur: Welcher?

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Das führt zur Debatte, die Wright, 51, vor einem Jahr durch ihre Beschwerde über Gehaltsunterschiede angestoßen hat, weil sie weniger verdiente als Seriengatte Kevin Spacey. Mit ihrer Beharrlichkeit wird sie in den USA als Wunderfrau der gleichberechtigten Bezahlung gefeiert. Dazu passt, dass dort zwei Tage nach dem Staffelstart Wonder Woman in die Kinos kommt. Wright spielt darin die Amazone, die Wonder Woman beibringt, wie man sich in einer männerdominierten Welt durchsetzt.