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Lernprogramme im Fernsehen:Sitzen bleiben

"Planet Schule"

Lernsendung "Planet Schule" vom SWR.

(Foto: Screenshot SWR)

Schulen zu, Lernplattformen überlastet: So versuchen die öffentlich-rechtlichen Sender, Familien beim Homeschooling zu helfen - eine Übersicht.

Von Alexander Menden

Das Wort Präsenzunterricht war vor dem ersten Corona-Lockdown im vergangenen Frühjahr hauptsächlich Fachleuten ein Begriff. Mittlerweile ist es nicht nur in aller Munde, es bezeichnet vor allem auch einen Normalzustand, nach dem sich Lehrer wir Schüler zurücksehnen. In den meisten Bundesländern wird es allerdings - zumindest in diesem Monat - für die weit überwiegende Mehrzahl der Schüler vorerst keinen Unterricht in Klassenzimmern geben. Das Ausweichen auf Online-Lernplattformen, 2020 mit gemischtem Erfolg erstmals in der Breite unternommen, soll diesmal zuverlässigeren Ersatz bieten. Hier versuchen auch die öffentlich-rechtlichen Sender, Familien im Homeschooling flankierend eine Hilfestellung zu geben.

Wie schon im Dezember, als die Präsenzpflicht in Grundschulen zeitweise aufgehoben wurde, schickt der Westdeutsche Rundfunk die Sendung mit der Maus als eine Art Allzweckwaffe für Grundschüler in die heavy rotation. Sie folgt vorerst bis zum 29. Januar jeden Morgen von montags bis freitags jeweils um 11.25 Uhr auf die Sendung Planet Wissen, die um 10.25 Uhr auch der Südwestrundfunk anbietet.

Lineare Programme sind den Schülern so fremd, dass auch die Bildungsprogramme im Lockdown kaum einer schaute

Vorher läuft, ebenfalls wochentags, von 7.20 Uhr an das Schulfunkprogramm Planet Schule, ergänzt durch spezielle auf Grundschüler ausgerichtete Filme. Die Trickfilmfigur Knietzsche - laut WDR-Angaben der "kleinste Philosoph der Welt" - macht sich darin unter anderem Gedanken "über die Solidarität in Corona-Zeiten"; es gibt Tipps für einen sicheren Umgang mit dem Internet, und eine Familie betreibt experimentelle Archäologie, indem sie ausprobiert, wie man in der Steinzeit lebte und überlebte. Der Bildungskanal der ARD, ARD alpha, sendet von dieser Woche an unter dem Titel Schule daheim werktags zwischen 9 und 12 Uhr Lernformate für alle Schularten und Fächergruppen. Den ausfallenden Sportunterricht will der BR ein wenig mit dem Online-Programm Fit mit Felix ausgleichen, das der Skifahrer Felix Neureuther präsentiert.

Als Vorbild bei solchen Unternehmungen gilt übrigens manchen das entsprechende Angebot der British Broadcasting Corporation (BBC). Die - gerade seitens der konservativen britischen Regierung - unter Existenz- und Rechtfertigungsdruck stehende Sendeanstalt hat eine "Bildungsoffensive" angekündigt. So werden von dieser Woche an der Kinderkanal CBBC und auch BBC Two verstärkt die Sendung Bitesize senden, die als Schulfernsehen konzipiert und mit dem staatlichen Lehrplan kompatibel ist. Außerdem gibt es auch Bildungsprogramme im weiteren Sinne - "Shakespeare und klassische Drama-Adaptionen sowie Wissenschafts-, Geschichts- und Faktenformate".

Kann das Fernsehen den Präsenzunterricht ersetzen? Wohl eher nicht. Aber es stockt die Angebote auf

Dietmar Bartsch, der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, findet, "ein solches Schulfernsehen wäre auch bei uns eine sinnvolle Unterstützung für rundfunkbeitragszahlende Eltern und Kinder beim Homeschooling". Tatsächlich kann die BBC allerdings nicht einmal annähernd die chaotische zentrale Schulöffnungs- und -schließungspolitik des Bildungsministers Gavin Williamson ausgleichen. Es ist auch unwahrscheinlich, dass die deutschen Bildungsminister auf die Angebote in ARD und ZDF als nahezu vollwertigen Ersatz für Präsenzunterricht bauen werden, wie Premier Boris Johnson es angedeutet hat.

Die Angebote der deutschen Sender sind dennoch deutlich aufgestockt worden. Das gilt vor allem auch für die Online-Angebote, die der Tatsache Rechnung tragen, dass feste Sendezeiten für die meisten Kinder und Jugendlichen ein vollkommen fremdes Konzept darstellen. Linear ausgestrahlte Bildungsprogramme, etwa die des MDR und des WDR, hatten während des ersten Lockdowns unerwartet niedrige Einschaltquoten verzeichnet.

Daher hat etwa das ZDF vor allem das Format Terra X plus Schule in seiner Internetmediathek erweitert. Dort gibt es Copyright-freie "Erklär-Clips", die heruntergeladen und bearbeitet werden können. Manche der übrigen eingestellten Videos sind nur Minuten lang, es sind aber auch längere Dokumentationen abrufbar, die laut dem Sender "für den Einsatz im Unterricht oder als Ergänzung zum Lernen geeignet sind". Die Filme sind weitestgehend nach Schulfächern wie "Geografie und Umwelt", "Biologie und Natur" oder "Geschichte" geordnet. Zudem gibt es eine weitere Sortierung nach Themenschwerpunkten, wie "Viren, Seuchen, Impfen und Corona" oder "Klima und Klimawandel".

"Lernvideos für alle Jahrgangsstufen" verspricht der Bayerische Rundfunk

ARD und ZDF rechnen damit, dass ein Großteil der Schüler zur Recherche zuerst Youtube ansteuert. Beim Youtube-Kanal Terra X plus des ZDF sollen wöchentlich neue drei- bis achtminütige Clips für die Fächer Erdkunde, Biologie, Chemie und Physik hinzukommen, bebildert mit Film- und Animationsmaterial aus Terra-X-Produktionen. Auf MrWissen2GoGeschichte präsentiert der Youtuber und Historiker Mirko Drotschmann jede Woche "ein für den Schulunterricht relevantes Geschichtsthema", soll aber auch "auf aktuelle Fragestellungen" reagieren. Auch der Bayerische Rundfunk hat seinen Youtube-Kanal Alpha Lernen laut Sender "mit einem umfassenden Sortiment an Lernvideos für alle Jahrgangsstufen runderneuert". Er weist mittlerweile gut 21 000 Abonnenten auf. Inwiefern all diese Inhalte die föderale Vielfalt der Lehrpläne abdecken, wird sich in den kommenden Wochen erweisen.

© SZ/tyc
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