"Ihr blauäugigen Teufel!", schleudert Hermann Lehmann den Männern entgegen. Eigentlich wäre er selbst auch einer von ihnen - wären die Dinge denn ihren gewöhnlichen Lauf gegangen. Die deutschstämmige Familie der Lehmanns will ihr Glück in den USA machen. Und das bedeutet im 19. Jahrhundert oftmals: auf Kosten der Native Americans.
Kai-Uwe Kohlschmidts Hörspiel Die wilde Freiheit beginnt prompt mit einer Szene, in der sich eine Horde Westerner damit brüstet, wer wie viele Indianer abgeknallt hat. Die Sklaverei und der Genozid an den Ureinwohnern sind die Ursünden der USA. Kohlschmidt erzählt die verbürgte Geschichte eines Mannes, der die Fronten gewechselt hat.
Zugrunde liegt aber auch dieser Geschichte ein Verbrechen: Hermann Lehmann wurde als Jugendlicher mitsamt seiner Familie von Native Americans entführt. Zunächst lebt er in einem Apachen-, später in einem Komantschen-Stamm. Was erst ein Zwang ist, wird später jedoch eine bewusste Entscheidung: Lehmann nimmt unter dem Namen Montechema eine indianische Identität an.
Seine Biografie ist eine des Niedergangs - der indianischen Kultur und Selbstbestimmung, aber auch der Freiheitsbegriffe, die sich viele weißhäutige Menschen in den Weiten des amerikanischen Westens gemacht haben. Montechema ist Zeitzeuge einer Epoche, in der Westernhelden zu Zirkusattraktionen verkommen. Diesen kleinen persönlichen Erfolg kann der "weiße Indianer" dann eben doch verbuchen: Er hält mit Glück und Geschick bis ins hohe Alter ein Leben abseits der Zivilisation durch.
Die wilde Freiheit , RBB Kultur, Sonntag, 14.04 Uhr.