Hörspiel Name für Plane

Zwei Satiriker erfinden hier böswillige Alias-Rollen: Hans Zippert und Oliver Maria Schmitt fabulieren sich Kopien ihrer selbst zusammen, zwei "Titanic"-Ex-Chefredakteure reden sich um Kopf und Kragen. Aber natürlich sind auch sie nicht sie selbst.

Von Stefan Fischer

Vielleicht, überlegt Hans Zippert, als er sich endlich damit abgefunden hat, dass er den Sondermann-Preis dann doch nicht erhalten hat, vielleicht muss er sich einen schneidigeren Autorennamen zulegen. So etwas wie Jenny Erpenbeck. Zippert, das klinge mehr nach Handwerk, nach einem Namen, der auf LKW-Planen steht. Womöglich ist aber gar nicht der Name das Problem, sondern das Medium. Was, wenn er seine Geschichten nicht auf Buchseiten, sondern auf LKW-Planen drucken ließe ...?

Zippert spielt im Hörspiel The Winner is ... - Das Sonderpreisdebakel einen Mann namens Zippert - der ist aber nicht der reale Zippert. Sondern ein drittklassiger Autor, der sich einen Literaturpreis erkaufen muss (und dann trotzdem nicht erhält). Auch ist der Koautor Oliver Maria Schmitt kein talentfreier Moderator Schmitt. Die zwei ehemaligen Chefredakteure der Satirezeitschrift Titanic haben sich böswillige Kopien ihrer selbst zugelegt, um die erschreckend weit verbreitete Talentlosigkeit im Literaturbetrieb auszustellen.

Hans Traxler und Bernd Eilert, zwei altgediente Titanic-Weggefährten, sind ebenfalls lustvoll dabei, sich in Alias-Rollen um Kopf und Kragen zu reden. Gier, Hohn, Egozentrik, Verzweiflung - alles spielt eine bedeutsamere Rolle als die Literatur. Dabei sind auch Hans Well und die Wellbappn, die unverschämte Gstanzl singen, aber von niemandem verstanden werden. Aber natürlich ist niemand so einfältig, wie er tut. So dauert es nur eine kurze Argumentationskette lang, um einen Zusammenhang herzustellen zwischen Jugendlichen, die kaum noch rauchen, und dem Ansinnen, Hitler aus allen NS-Dokumentationen herauszuschneiden, weil er ein schrecklicher Antisemit war. Das ist so haarsträubend wie eben auch klug.

The Winner is ... - Das Sonderpreisdebakel, SWR 2, 22.03 Uhr.