Hörspiel Letzter Schultag

Markus Meyer ist Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. In "Versetzung" spielt er einen Lehrer, dem Kollegen und Eltern die Beförderung zum Direktor nicht gönnen.

(Foto: NDR Radiokunst)

"Versetzung", nach einem Theaterstück von Thomas Melle, führt vor, wie sich auch im Kleinen mit Halbwahrheiten Politik machen lässt.

Von Stefan Fischer

Zwei Schulstunden nur dauert es, und die Existenz des Lehrers Rupp liegt in Trümmern. So lange braucht Hörspiel-Regisseurin Christiane Ohaus, um Rupps Versetzung in Szene zu setzen. Es ist ein Stück über einen Absturz, von Thomas Melle für die Bühne geschrieben, im November uraufgeführt am Deutschen Theater Berlin. In der neunzigminütigen Radioversion spielt Markus Meyer diesen Rupp als das Klischee eines perfekten Lehrers. Er soll Rektor an seiner Schule werden, doch das verhindern Kollegen und Eltern. Vor zehn Jahren erkrankte Rupp an einer bipolaren Störung. Was, wenn sie wieder ausbricht?

Diese Befürchtungen sind jedoch nur vorgeschoben. Das Hörspiel ist eines zur Stunde: Es erzählt davon, wie in öffentlichen Debatten - hier im Kleinen - Ängste geschürt werden, um Politik zu machen. Es geht nicht darum, Lösungen zu suchen. Sondern um den Absolutheitsanspruch der eigenen Position. Lügen werden wiederholt, bis sie als Debattenbeitrag akzeptiert sind. Tatsachen verdreht, bis sie als falsch erscheinen. Wenn man etwas nur lange genug heraufbeschwört, tritt es auch ein. Feindet man Rupp heftig an, triggert das seine Manie. Die Figuren in dieser Parabel führen brachial die Mechanik vor, die dieser gesellschaftlichen Fehlentwicklung zugrunde liegt.

Versetzung, NDR Info, Sonntag, 21 Uhr.