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Hörspiel:Konzert als Krieg

Andreas Ammer rekonstruiert die "Symphonie der Sirenen": Nur zweimal aufgeführt, hat das wohl lauteste Musikstück der Geschichte, komponiert vom russischen Avantgardisten Arsenij Avraamov, kaum Spuren hinterlassen.

Ein Konzert als Krieg: Kanonendonner und Alarmsirenen hat der russische Avantgarde-Komponist Arsenij Avraamov in seine Symphonie der Sirenen integriert, auch die Geräusche von Autos, Lokomotiven und Kriegsschiffen. Avraamov hat unentwegt neue Instrumente entworfen - und er hat groß gedacht. Die Symphonie der Sirenen ist nur zweimal aufgeführt worden, und das jeweils mit immensem Aufwand: 1923 im Zentrum Moskaus und ein Jahr zuvor in Baku. Dort hat Avraamov von einem Turm aus dirigiert, mittels bunter Fahnen und einem Feldtelefon. Obwohl die komplette Stadt Teil der Aufführung geworden ist, hat die Symphonie der Sirenen - das wohl lauteste Musikstück der Geschichte - allerdings kaum Spuren hinterlassen.

Andreas Ammer und der Musiker FM Einheit haben die größenwahnsinnige Symphonie auf der Basis der wenigen erhaltenen Dokumente nun rekonstruiert. Als Live-Aufführung in Brünn mit den dortigen Philharmonikern und nun in einer Überarbeitung dieses Mitschnitts als Hörspiel für den Bayerischen Rundfunk. Sie machen den Wahnwitz der Komposition deutlich, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die junge Sowjetunion zu glorifizieren. Als (nichtrussischer) Zuhörer steht man dem heute kritisch gegenüber, kann sich der Überwältigung durch die Klänge aber nicht ganz entziehen.

Symphonie der Sirenen, Bayern 2, Freitag, 21.05 Uhr.