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Hörspiel im Bayerischen Rundfunk:Erhöre uns

Hörspielautor und Regisseur Andreas Ammer

Hörspielautor und Regisseur Andreas Ammer ist Gott in einem Lexikoneintrag begegnet.

(Foto: WDR)

Im Anfang war das Wort: Bayern 2 bringt ein grandioses Hörspiel über Gott von Andreas Ammer zu Gehör. Es ist eine postdramatische Weihestunde über das Scheitern - und ein rauschhaftes Hör-Erlebnis.

"Ich habe Gott gesehen" - wer kann das von sich schon behaupten? Nun, Andreas Ammer hat ihn in einem Buch erblickt, als Wort gewordene Existenz; ein verstörendes literarisch-visuelles Gotteserlebnis: Der Hörspielregisseur stöberte in einer Leipziger Bibliothek durch die Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, das größte jemals erschienene (dennoch nicht abgeschlossene) Lexikon - ein, so der Untertitel, "Riesen- und Ehrenwerk teutscher Gründlichkeit und teutschen Fleißes". Fürwahr. Der 75. Teilband enthält einen 84-seitigen Eintrag zu: Gott. Was konsequent ist, da Nietzsche, als an dem Werk gearbeitet wurde, Gott für tot erklärt hat. Berühmten Toten gebührt nun einmal ein Eintrag im Lexikon.

Diesen Artikel hat Ammer in das bemerkenswerte Hörspiel GOTT transferiert. Katharina Franck arbeitet sich durch das Textungetüm, immer wieder stolpert sie oder unterbricht. Ungeschnitten lässt Ammer das stehen. Was aber nichts von einer Pannen-Komik hat, wie man sie von Film-Abspannen her kennt. Der Lexikoneintrag ist vielmehr von einer auf groteske Weise spröden Verworrenheit, selbst als gebildeter Mensch kann man der Argumentation kaum folgen.

Postdramatische Weihestunde

Ammer und der Autor Carl-Ludwig Reichert kommentieren den Text, seine Genese und die von den Verfassern erklärte Absicht. Vor allem Andreas Ammer nimmt ihn ernst: als den Versuch, einen Gegenstand wissenschaftlich zu erforschen, über den man rein gar nichts weiß und mit dem man sich überdies auf ideologisch besetztes Gelände begibt.

Das Hörspiel ist eine postdramatische Weihestunde über das Scheitern - die, und das ist die Kunst von Andreas Ammer, sich aufschwingt zu einem rauschhaften Erlebnis. Man hört dem Trio gebannt zu sowie der Musik von Console, NU und Karl Ivar Refseth. GOTT knüpft an zweierlei an: An Ammers eigenes Hörspiel Spaceman '85, das auf originalen Tondokumenten von Reinhard Furrers Weltraumflug basiert, und an das ebenfalls vom BR produzierte Stück Dem unbekannten Gott, Valère Novarinas Aufzählung von 311 Gottesdefinitionen. Allesamt Predigten, die jedoch keinen Glaubensgehorsam erfordern, sondern ganz im Gegenteil kritische Distanz wahren. Die sie immer wieder gerne aufs Spiel setzen, um sich dem Sog ihres Gegenstandes hinzugeben.

GOTT, Bayern 2, Freitag, 21.03 Uhr