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Hörspiel "Genauso bloß anders":Schönreden als Schwerstarbeit

Eine Frisur als Statement.

(Foto: Nitzschke/ imago/imagebroker)

Antje Meichsner erzählt in ihrem Hörspiel "Genauso bloß anders" von einem Leben als lesbische Punkerin in der DDR. Mit mühsam erkämpfter Lakonie.

Von Stefan Fischer

"Mein Körper legt sich mit der Gesellschaft an. Schon wieder." Als Mädchen hat sich die Erzählerin dieser Geschichte entschieden, Punkerin zu werden - ohne recht zu wissen, was das bedeutet und was das für Konsequenzen haben wird. "Ich ziehe mir die Anarchie an wie meine Lederjacke mit den Sicherheitsnadeln", sagt sie an einer Stelle in Antje Meichsners Hörspiel Genauso bloß anders. Eine Lebenseinstellung nicht als Haltung, sondern als Kostüm.

Im Teenageralter stellt die Punkerin fest, dass sie auf Frauen steht. Sie wird dadurch innerhalb einer Gruppe von Außenseitern zur Außenseiterin. "Ich falle in den Abgrund des Unlebbaren", urteilt sie. Und ermahnt sich - natürlich erfolglos - selbst: "Du musst jetzt bitte normal sein." Sich die Dinge schönzureden wird endgültig zur Schwerstarbeit.

Allmählich wird aus dem Kostüm doch noch eine Haltung

An diesem Punkt wird die Sache tatsächlich spannend. Anfangs irritiert die Inszenierung von Anna Panknin eher, die Punk-Thematik wirkt in den ersten Minuten aufgesetzt, und die verwendete Klaviermusik ließe sich auch in jedem Jane-Austen-Hörspiel verwenden. Je älter die von Meichsner selbst sowie von Jenny König gespielte Heldin wird, desto größer wird der Konflikt zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Willen zum Anderssein. Sie wächst in der DDR auf, eine Normabweichung hat dort eine tief greifendere Dimension als in der Bundesrepublik Deutschland.

Allmählich beginnen die Dinge tatsächlich etwas zu bedeuten für die junge Frau, wird aus dem Kostüm doch noch eine Haltung. Wobei sie immer auch fremdelt mit der Punkszene, in der sie genauso wie in der Mehrheitsgesellschaft Arroganz und Intoleranz erlebt. Am Ende erweist sich als Stärke, dass Genauso bloß anders aus der Distanz auf diese Zeit blickt und sich eine Punk-Attitüde gar nicht erst überstreift.

Genauso bloß anders, DLF, Samstag, 20.05 Uhr.

© SZ
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