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Hörspiel:Gar nicht staatstragend

Der Radio-Vierteiler "Wir - Hier" präsentiert originelle Ideen für den Nationalfeiertag.

Von Stefan Fischer

Tagsüber tanzen gehen und die Ämter stattdessen nachts aufsperren. Einen Fremden nach dem Weg fragen. Im Grundgesetz lesen. Helgard Haug und Thilo Guschas sammeln in ihrem Hörspiel-Vierteiler Wir - Hier einige kluge und viele kuriose Ideen, wie man einen Nationalfeiertag begehen könnte. Das führt sie direkt zu der Frage, was Nationen da eigentlich feiern, wie sie sich also überhaupt als solche definieren. 194 Botschaften haben Haug und Guschas angefragt - und tatsächlich ein paar Antworten bekommen. Ecuadors Botschafter zum Beispiel singt gerne Hymnen, die seines Landes ebenso wie die deutsche. Staatstragend wird es deshalb nicht in dieser Dokufiktion, dafür ist der Diplomat zu sehr Hobby-Kabarettist. Entsprechend leidet er bei öffentlichen Anlässen: Die Deutschen könnten nicht feiern, sagt er, was sie für eine Feier halten, fühle sich für ihn meistens wie eine Bußübung an.

In Osteuropa tun die beiden Autoren einen Mann auf, der seine amerikanische Staatsbürgerschaft aufgegeben hat. Nicht weil er speziell etwas gegen die USA hätte, sondern weil er das Prinzip einer nationalen Zugehörigkeit suspekt findet.

Es ist nicht einfach, Millionen Menschen hinter einer Idee zu vereinen. Aber gibt es nicht trotzdem Werte, Sitten und Traditionen, die auch eine heterogene, freie Gemeinschaft einen? Wir - Hier ist eine ernst gemeinte Suche. Ganz ohne Leitkultur-Hintergedanken. Zur Debatte steht eher, ob uns überhaupt etwas abgehen wird. Da dieses Jahr der Nationalfeiertag als gemeinsames Fest ausfällt.

Wir - Hier, WDR 3, Montag bis Donnerstag, jeweils 19.04 Uhr.

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