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Hörspiel "Feuersturm":Spleenige Schwestern

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Der kanadische Hörspielautor David Paquet.

(Foto: SR2)

Im Hörspiel "Feuersturm" verstehen drei Frauen die Welt nicht und erschaffen sich einfach ihre eigene.

Von Stefan Fischer

Jede der Drillingsschwestern ist verschroben, jede ist auf ihre Weise unglücklich. Schuld daran ist die Mutter, wenigstens darin sind sich die drei Frauen einig. Ansonsten meinen sowohl Claudine als auch Claudie und Claudette, dass die jeweils anderen beiden spinnen. Und zwar gewaltig.

Effi Rabsilber, Tilla Kratochwil und Janina Rudenska spielen dieses Trio infernale in dem Hörspiel Feuersturm des kanadischen Autors David Paquet. Anouschka Trocker hat die Koproduktion von Saarländischem Rundfunk und Deutschlandfunk Kultur inszeniert - und dabei mit ihrem spielfreudigen Ensemble eine gefährliche Klippe umschifft: Es wäre ein Leichtes, sich lustig zu machen über die drei Frauen, über ihre Spleens und Unbeholfenheit.

Die Unbeirrbarkeit der drei Schwestern ist beneidenswert

Claudine zum Beispiel backt gerne Plätzchen, die sie selbst ungenießbar findet, von denen sie jedoch glaubt, sich mit ihnen unterhalten zu können. Auch macht sie sich einen Spaß daraus, ihren Therapeuten zu belügen. Doch der Clou von Feuersturm ist, dass die Drillinge trotz allem keine Witzfiguren sind.

Im selben Maß, wie sie einen verstören können, sind sie auch liebenswert. Und die Unbeirrbarkeit, mit der sie auf ihrer Sicht der Dinge beharren, ist durchaus beneidenswert. Und so ist Feuersturm zweierlei: zum einen sehr komisch in der Art, wie die Frauen vieles vermasseln, und zum anderen ein sympathischer Kontrapunkt gegen jedweden Versuch einer gesellschaftlichen Normierung.

Feuersturm, DLF Kultur, Mittwoch, 22.03 Uhr.

© SZ/cag
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