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Hörfunktipps:Wo geht's lang?

Ken Follett errichtet Fundamente für die Ewigkeit. Doch letztlich ist auch in seinen Geschichten nichts von Dauer. Ohnehin sind die Dinge im Radio stark in Bewegung. Menschen, Wörter und Ideen überwinden Grenzen. Nichts wie hinterher.

Spannende Irrwege

Franz Tunda gerät von 1916 bis 1926 zwischen etliche Fronten, dient allerlei Herren und liebt mehrere Frauen. Er ist der Held in Joseph Roths Die Flucht ohne Ende, Götz Fritsch hat den Roman als Hörspiel inszeniert (MDR Kultur, Montag, 22 Uhr). Nicht Menschen, sondern Wörter reisen zwischen Kulturen hin und her in dem verspielt-lehrreichen Hörspiel Sola, Sulan, Seul des Liquid Penguin Ensembles (SR 2, Sonntag, 17.04 Uhr). Im sehr komischen und berührenden Hörspiel Alles ist Erpel gehorchen die Wörter nicht immer, gerade darin liegt für die Figuren eine große Freiheit (RBB Kultur, Sonntag, 14.04 Uhr).

Viel und schnell

Wer soll all die Serien sehen, Bücher lesen, Museen besuchen? Too much of anything ist eine Zündfunk Generator-Sendung über kulturellen Überfluss (Bayern 2, Sonntag, 22.05 Uhr). Eine latente Überforderung ist auch die Digitalisierung. Obgleich maschinelle Übergriffe auf den Menschen, siehe Google-Brille, erst am Anfang stehen. Totally wired. I'm a cyborg - is that ok? ist ein Orientierungsversuch (DLF, Sonntag, 20.05 Uhr). Auch fordernd: Rainald Goetz' Traktat loslabern (Bayern 2, Sonntag, 15.05 Uhr; HR 2, Sonntag, 14.04 Uhr).

Spezielle Standpunkte

Die Kathedrale von Kingsbridge soll Das Fundament der Ewigkeit bilden. Doch Ken Follett beschreibt, wie das Christentum im 16. Jahrhundert in Fraktionen zerfällt (WDR 3, zwölf Teile, montags bis donnerstags, 19.04 Uhr). Wie schnell wiederum Dinge hingeschlurt werden, hat Harun Farocki in So long good-bye am Beispiel einer Musikproduktion karikiert (DLF Kultur, Samstag, 18.05 Uhr). Realsatire ist das Hörspiel Heil Ho, Let's Go über eine Punkband, die rechte Symbolik persifliert - oder doch nur reproduziert (WDR 3, Sonntag, 19.04 Uhr).