Denn sie sterben jung
Die acht Folgen dieses Hörspiels fügen sich zu einem merkwürdigen Mosaik: Es entsteht nicht ein Ganzes, vielmehr dokumentieren die Episoden in Summe den Zerfall einer Familie: Zwar ist José Victoriano (Christian Redl) durchgängig präsent in der Geschichte, und doch abwesend. Er wurde entführt, wie so viele Menschen in Mexiko; womöglich ist er tot. Das bedeutet für die Familie: Jeder ist in Gefahr. Seine Frau, Geschwister, Kinder, Enkel fliehen, teils in die USA, teils nach Europa. Antonio Ruiz-Camacho erzählt in seinem Roman, den Matthias Kapohl fürs Radio inszeniert hat, von ihren Schicksalen in der Fremde - Mischungen aus Alltag und Ausnahmezustand. Tolle Schauspieler treten auf, darunter Hanna Schygulla. Fortsetzung am 15.1., bereits jetzt steht die Produktion als Podcast und Videopodcast in der ARD-Audiothek.
Hörspiel-Serie, NDR Kultur, Mittwoch, 20 Uhr
American Hollow
McDowell County im US-Bundesstaat West Virginia ist so arm wie kaum ein anderer Bezirk. Früher wurde mit dem Abbau von Kohle viel Geld verdient - wobei nur die Minenbesitzer, aber nicht die Bergbau-Arbeiter reich geworden sind. Heute gibt es keine Jobs mehr, allerdings massive Probleme mit Kriminalität, Drogen und den Folgen des Bergbaus für die Umwelt. Die Menschen haben ihre Hoffnungen in Donald Trump gesetzt, doch nichts wird besser in McDowell County. Tom Noga berichtet aus einer Region, in der vieles an Krisenländer in der ehemaligen Dritten Welt erinnert. Der New Yorker David Wojnarowicz hat sich bis zu seinem frühen Tod 1992 in Folge einer Aids-Erkrankung künstlerisch an der politischen Rechten gerieben: Im Schatten des amerikanischen Traums ist eine Montage seiner Audio-Tagebücher (RBB Kultur, Sonntag, 14.04 Uhr).
Feature, Bayern 2, Samstag, 13.05 Uhr
This little light
In der aktuellen Begeisterung für True-Crime-Podcasts und akustische Dokuserien wird mitunter vergessen, dass dies keine neuen Erfindungen sind. Die gegenwärtige Entwicklung hat nur aus Einzelfällen ein Massenphänomen gemacht. Einer dieser Einzelfälle ist die Radioserie des New Yorker Journalisten Chris Koch, der 1964 in den Bundesstaat Mississippi gereist ist, um über die Bürgerrechtsbewegung und die Widerstände dagegen zu berichten. Seine zwölfteilige Dokumentation ist bis heute stilprägend und Vorbild für etliche Produzenten dokumentarischer Radio- und Podcast-Serien - sowohl was die Gründlichkeit der Recherche als auch die Offenheit der Darstellung anbelangt. Martina Groß stellt This little light vor und präsentiert die Serie in Ausschnitten. Die weiteren Folgen am 7., 11. und 14. Januar.
Feature-Serie, DLF Kultur, Samstag, 18.05 Uhr
Hammerschlag
Es sei an der Zeit, befand der russische Futurist Aleksej Gatsev vor knapp einhundert Jahren, die Dichtkunst zu vernichten. Das ist ihm nicht geglückt, obwohl er große Anstrengungen unternommen hat: Gatsevs Lyrikband Ein Bündel Befehle ist, dirigiert von ihm selbst, als Konzert aufgeführt worden - es muss ein Lärm gewesen sein, der durchaus zerstörerisches, in jedem Fall betäubendes Potenzial hatte. Andreas Ammer und FM Einheit haben im Mai eine Hommage aufgeführt, live beim Diaghilev-Festival in Perm. Daraus ist die deutsch-russische Hörspielfassung Hammerschlag entstanden. Die ist, wenn auch musikalisch muskulös, auf keinen Fall so brachial, wie es der Titel vermuten lässt. Eine Geschichte, ein Konzert über Maßlosigkeit und den drängenden Ernst der Kunst, die gleichwohl fähig bleibt zur Ironie.
Hörspiel, SWR 2, Donnerstag, 22.03 Uhr