Hörspiel:Und Hiob schweigt

Lesezeit: 2 min

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(Foto: Illustration: Stefan Dimitrov)

Was ist von einem Gott zu halten, der das größtmögliche Leid zulässt? Hiob brüllt es ihm deutlich vernehmbar in den Himmel hinauf in Christoph Korns kraftstrotzendem Hörspiel.

Von Stefan Fischer

In Sachen Hinterfotzigkeit sucht diese Geschichte ihresgleichen in der Literatur. Dass der Teufel perfide Pakte schließt, kennt man aus etlichen Texten - aber einen mit Gott? Der Schöpfer lässt sich darauf ein, so als wäre es ein heiteres Spiel, dass der Satan Hiob bis aufs Blut piesacken darf. Die einzige Bedingung: An Hiob selbst darf der Teufel keine Hand anlegen.

Für Hiob, das ist nachzulesen im Alten Testament, ist dadurch nichts gewonnen. Denn was ist das eigene Leben wert, wenn man ansehen muss, wie alles um einen her gemeuchelt und vernichtet wird? Das muss einen verrückt machen. Und wenn man dann, wie Hiob, redlich lebt, kann man das viele Leid, das einem von höchster Stelle angetan wird, nur als Verhöhnung begreifen. Als einen Vernichtungsfeldzug aus reiner Boshaftigkeit.

Das jedenfalls ist die Lesart dieser Geschichte in Christoph Korns Hörspiel Hiobs Verstummen. Der brave, ursprünglich gottesfürchtige Mann wird hier von einer Frau gesprochen, Caroline Junghans. Im biblischen Urtext, der hier in der Luther'schen Übersetzung zitiert wird, hält Hiob den Prüfungen stand, und der Allmächtige stellt sein Glück wieder her.

Nicht in diesem von Junghans furios vorgetragenen 37-minütigen Monolog. Nachdem Gott und der gefallene Engel begonnen haben zu wüten, stellt Hiob alles infrage. Wenn gerecht sein soll, was ihm widerfährt - der Verlust seiner Habe, der Tod seiner Liebsten -, dann ist, so Hiob, alles verwirkt. "Ausgelöscht sei ...", dekretiert Hiob, und dann plärrt Junghans eine monströse Aufzählung herunter: der Frieden, der Tod, der Geist, der Trost, das Recht, die Hoffnung, die Seele, die Weisheit, die Zeit, die Freundschaft. Nichts von alledem und noch einigem mehr habe dann noch Bestand.

Eine Antwort? Erhält Hiob nicht, oder nur in Form immer neuer Qualen und Demütigungen. "Ich schreie, lache, rufe, flehe, träume, weine", so Hiob, "und werde doch nicht gehört". Irgendwann schreit und brüllt Caroline Junghans nur noch, ohne aber noch etwas zu sagen. Der Protest hat keinen konkreten Inhalt mehr, kann von Hiob nicht mehr in Worten ausgedrückt werden, kippt in ein Gurgeln. Bis Hiob schließlich schweigt. So lange und so tief wie selten einmal im Radio geschwiegen wird. Alles Gottvertrauen ist weg, Hiob gebrochen. Am Ende, seines Menschseins beraubt, summt er, in sich gekehrt.

Hiobs Verstummen, SWR 2, 13.11.2021, 23.03 Uhr.

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