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Fernsehen:Die Einfraupopfabrik

ZDF präsentiert ´Helene Fischer-Show"

Diese Frau wird sich heute Abend noch selbst eine Krone aufsetzen, und zwar nicht nur im übertragenen Sinn: Helene Fischer.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)
  • Gleich zweimal wurde "Die Helene Fischer Show" vor je knapp 10 000 Zuschauern in identischer Form aufgezeichnet.
  • Das ZDF zeigt den Zusammenschnitt am ersten Weihnachtsfeiertag.
  • Jeder Gast, der auftritt, muss verstehen, dass er nur Kulisse ist, vor der das Kraftpaket Helene Fischer brillieren kann.

Auf den Videowänden in der Düsseldorfer Messehalle steht groß "Die Helene Fischer Show". Die. Als gäbe es noch andere Events, die man mit dem Spektakel hier verwechseln könnte. Was Quatsch ist, denn es kann nur eine geben. Denn das, was die Frau leistet, ist unvergleichlich.

Mit den Maßstäben der musikalischen oder tänzerischen Darbietung kann das nicht gemessen werden. Was Helene Fischer auf die Bühne bringt, ist Showsport in einer eigenen Galaxis. Im Prinzip ist es an der Zeit, für die Einführung einer eigenen olympischen Kategorie, in der das deutsche Ausnahmetalent nur noch mit sich selber konkurriert, in der Die Helene Fischer Show des einen Jahres gegen die eines anderen Jahres antritt und fachkundige Punktrichter anzeigen, wie effektiv die Künstlerin es geschafft, ihr Publikum in Grund und Boden zu unterhalten.

So zumindest erschien es Mitte Dezember bei der Aufzeichnung, wenn man nach knapp viereinhalb Stunden glamouröser Überdosis aus der Halle wankte und feststellte, dass es doch zwei Fischer-Shows gibt: Gleich zweimal wurde die Performance vor je knapp 10 000 Zuschauern in identischer Form aufgezeichnet, an zwei Tagen. Danach wurden das Beste zu einer Show zusammengeschnitten, die das ZDF am ersten Weihnachtsfeiertag zeigt. Alles daran ist groß. Auf der Bühne ist Platz für ein Orchester, eine Band und all die Kulissen, die von Song zu Song wechseln. Wenn links gespielt wird, laufen rechts die Umbauten, mittig wird der Shiny Floor wieder in Form gewischt. Rund 360 Menschen wuseln laut ZDF in den Kulissen, um diese Show zu dem zu machen, was sie ist: Eine Leistungsschau der Einfraupopfabrik namens Helene Fischer.

Die legt um kurz nach acht Uhr himmlisch los. Schwebt engelsgleich an einem Trapez hernieder von der Hallendecke, was man ja zu Weihnachten als anmaßendes Bild interpretieren könnte. Würde sie in der Sekunde nicht schon nach vorn preschen. Sie tanzt los, sie singt los. Gnadenlos durch die Nacht.

Hier geht es nur am Rande um Musik

Nach einer halben Stunde hat sie sieben Duettpartner durch, darunter Allzweckkünstler wie Howard Carpendale und Mark Forster und jede Menge singende Kinder, die brav die Lippen bewegen. Jeder scheint zu kapieren, dass er nur die Kulisse ist, vor der Helene Fischer brillieren kann. Sie tanzt und singt, und dann tanzt sie wieder, bevor das mit dem Singen weitergeht.

Die Frage, ob da nicht ein bisschen viel Playback im Spiel ist, stellt sich nur jenen, die nicht erkennen, dass es hier nur am Rande um Musik geht. Im Vordergrund steht das Kraftpaket Helene Fischer. Das wird sie später besonders eindrücklich beweisen, wenn sie bei "Sowieso" in einer tatsächlich atemberaubend schönen Unterwasserkulisse eine Art Meerjungfrau gibt und sich singend von ihren Tänzern auf den Händen tragen lässt.

Musikalisch rangiert das auf dem Level von Mark Forsters Kinderliedern, aber optisch ist das dank üppiger Bühnenillumination überwältigend. Besonders glänzt Helene Fischer, wenn ihre Partner schwächeln. Dann setzt sie so souverän ihre zweite Stimme obendrauf, dass jeder weiß, wer hier wirklich das Singen hat. Das schrammt manchmal hart an der Erniedrigung des Duettpartners vorbei. So wie bei Roland Kaiser, der mit ihr den Oscar-prämierten Hit "Shallow" aus A Star Is Born singen soll.

Leider ist Kaiser die denkbar schlechteste Besetzung für die Rolle des lässigen Bradley Cooper. Er singt so hüftsteif, dass man sofort um den Song zu fürchten beginnt. Aber dann kommt Lady Fischer. Im Vergleich zu Lady Gaga halbwegs gut, aber eben im Vergleich zu Roland Kaisers Beamtenstimme ein explodierender Vulkan, so heiß, so gefährlich.

Leider bleibt dieser gesangliche Unfall von Kaiser nicht der einzige Schwachpunkt der Riesenshow. Auch als es darum geht, immer wieder noch ein Musical auf die Bühne zu bringen, in dem Helene Fischer an diesem Abend die Hauptrolle übernimmt, zeigt sich, dass man bei der Planung sicherheitshalber alles ins Programm genommen hat, was vorrätig war. Rausschneiden kann man immer noch. Besonders altbacken wirkt das bei My Fair Lady, wo Thomas Gottschalk als grummelnder Professor Higgins antritt. Aber als Grumpy Old Man immerhin eine bessere Figur macht als in all den jüngsten Moderationen. Da könnte einer seine Rolle gefunden haben.

Niemand kann alles so perfekt duchhalten, wie es zunächst schien

Um Mitternacht dann "Atemlos", allerdings in einer angeblichen Comedyversion. Gemeinsam mit Komiker Bülent Ceylan wird der Jahrhundertschlager ironisch als Heavy-Metal-Hymne dargeboten, was klingt, als würden die Wildecker Herzbuben im Aldi-Foyer eine "Rammstein unplugged"-Performance einüben.

Dann aber ist es beruhigend zu erleben, dass Helene Fischer und ihre Mannschaft auf der sehr langen Strecke nicht alles so perfekt durchhalten können, wie es zunächst schien. Irgendwann startet ein Playback mitten in Fischers Moderation hinein, und ein Stargast verlässt einfach die Bühne, ohne von Fischer wie geplant befragt worden zu sein. Lässt sie einfach stehen.

Die Show ist längst vorbei, da wirkt das professionell verabreichte Zuviel noch nach. Wie Helene Fischer den stimmlich nicht auf der Höhe befindlichen Backstreet Boy Nick Carter an die Wand gesungen hat, wie sie an einer Turnstange unter der Hallendecke atemberaubende Schwebeakrobatik praktizierte. Man muss scheitern beim Versuch zu rekapitulieren, wie viele Choreographien sie auswendig beherrscht. Und dann ist da noch die mit höchstem Symbolwert ausgestattete Szene im Gedächtnis, in der sie sich selbst eine Krone aufgesetzt hat.

Die Helene Fischer Show, Mittwoch, 20.15 Uhr.

© SZ vom 24.12.2019
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