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Helene Fischer im ZDF:Hier wird nichts dreckig, hier wird Dreck höchstens behauptet

Das ist aus sportlicher Sicht mehrfach bemerkenswert. Sie wirbelt mit Tänzern atemberaubend über die Bühne. Und hangelt dann am Trapez zwischen fauchenden Dinosauriern durch die Luft. Früher lautete das olympische Motto "schneller, höher, weiter", heute müsste es "Helene Fischer Show" heißen.

Allein, wenn getanzt wird, dann gleicht das besonders bei den Großaufmärschen des Fischer-Balletts oft eher rhythmischer Sportgymnastik als einem lasziven Move auf dem Shiny Floor. Es fehlt so etwas wie das gewisse Etwas, eine zweite Ebene, der entscheidende Tropfen Schweiß, der kurz Zweifel sät, ob wirklich alles glatt gehen wird. So etwas braucht es, wenn man nicht sein ganzes Talent in der Kategorie Teflon-Pop verbraten will. Praktisch, abwaschbar, wiederverwendbar. Hier wird nichts dreckig, hier wird Dreck höchstens behauptet.

"Wie man sich trennt"

Zudem folgt die Show keiner besonderen Dramaturgie. Sie koppelt einfach so lange Sensation an Sensation, bis auch der allerletzte Zuschauer vor lauter Atemlosigkeit erschöpft in seinen Sitz zurücksinkt. Fischer trällert Duett mit jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, von Ramazzotti über Maite Kelly bis Florian David Fitz. Sie spielt zum Thema "Wie man sich trennt" einen halbgaren Schlager-Sketch mit Olaf Schubert, was ungefähr so lustig ausfällt wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung. Und dann steht sie irgendwann mit Luis Fonsi auf der Bühne und singt "Despacito", den milliardenfach abgerufenen Welthit. Sie tanzt mit Fonsi, sie spielt sexy, aber mehr als Kantinen-Erotik will da nicht aufkommen.

Vor allem aber leidet die Show unter den atemlosen Schnitten zwischen den einzelnen Nummern, die sehr lieblos wirken, weil Fischers Kostümwechsel auf dem Bildschirm in Sekundenschnelle funktionieren, also schneller als ein realer Mensch sich je wird umkleiden können. Natürlich weiß man, dass solch eine Riesenshow ihren Aufwand hat, dass es Pausen braucht, die in einer fertig geschnittenen Fernsehshow keinen Platz haben, weil die ohnehin schon über dreistündige Sendung sonst bis tief in die Nacht dauern würde.

Aber eine gute Show lebt auch von einer gewissen inneren Logik, einem Gefühl, dass etwas stimmig inszeniert wurde. Aber diese Stimmigkeit geht verloren, wenn Dinge passieren, die nach normalem Empfinden so nicht passieren können. Es ist jedes Mal nur eine kleine Nachlässigkeit, aber in der Summe lassen sie doch den Eindruck keimen, dass sich die Regie da ordentlich verhoben hat.

Auf der Zielgraden singt Helene Fischer noch ein Duett mit Schauspieler Kiefer Sutherland und sagt zum gefühlt hundertsten Mal "Mein Lieber". Dann setzt sie noch einen drauf und holt Paola auf die Bühne, mit der sie "Blue Bayou" intoniert. Dann sagt sie Paola, dass sie sie so toll findet, und Paola sagt, dass Fischer der Fixstern am Showhimmel sei. Was man sich halt so zu sagen hat vor einem Millionenpublikum.

"Nur mit dir" singt Fischer schließlich zum Finale, wieder eine der vielen Anspielungen. Dazu regnet es Glitzer und die Zuschauer schwenken Luftballons. Nach drei Stunden und acht Minuten ist es dann geschafft. Dann sind alle geschafft. Nur eine nicht. Helene Fischer sieht immer noch aus, als wolle sie jetzt erst richtig loslegen. Gnade.

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