Helene Fischer im ZDF Gnade

Helene Fischer kann alles - auch fliegen. Aber muss das sein?

(Foto: dpa)

Jedes Jahr wieder, die große Helene-Fischer-Show im ZDF. Es ist ein Abend in der Teflon-Edition: praktisch, abwaschbar, wiederverwendbar.

Von Hans Hoff

Helene Fischer ist Vollprofi. Sie weiß, wie man eine Show richtig startet. Zu Beginn singt sie deshalb gleich ihren Überhit. Erstmal Stimmung in die Bude bringen. Sie macht damit deutlich, dass sie in den nächsten drei Stunden nicht kleckern will. Vollbedienung heißt ihr Motto. Keiner soll die Messehalle in Düsseldorf verlassen und nicht beeindruckt sein von dieser alljährlichen Leistungsschau der deutschen Schlager-Galionsfigur.

Mit "Atemlos" legt Fischer deshalb los und stürmt gleich raus auf den Catwalk, mitten in die Halle. Es folgt ein Potpourri ihrer Powerhits, die voller Ohohos sind, diesen Mitsinganreizen für Merkfaule. Sie liefert dazu diesen zuverlässigen Discofox-Bassdrumbeat, der den Menschen signalisiert, dass sie zumindest für die Dauer des jeweiligen Liedes vor Überraschungen gefeit sind. "In meinem Kopf ist eine Achterbahn", singt Fischer. Sachbearbeiter-Lyrik halt.

Präsentiert wird das am ersten Weihnachtsfeiertag im ZDF in opulent aufgeblasener Top-Model-Ästhetik mit jeder Menge Pyrokram. Explosionen hier, Feuerwänden da. Es geht Schlag auf Schlag, keine Hänger erlaubt. Eine Windmaschine durchwühlt immer wieder ansehnlich das volle Blondhaar der Protagonistin, und eine mit schwindelerregender Geschwindigkeit durch die Halle fliegende Spider-Cam macht optisch deutlich, dass man als Fernsehzuschauer diese Show quasi von erhöhter Warte verfolgt.

Hier wird mit ganz großer Münze gezahlt, und technisch werden alle Register gezogen. Kein Vergleich mit den ganzen Schlager simulierenden Stampfshows, die sich derzeit in den dritten Programmen mit Möbelhaus-Charme breitmachen.

"Ich wollte mich nie mehr verlieben"

Nach einer guten halben Stunde hat La Fischer schon die Liste der größten Gaststars von Eros Ramazzotti bis Luis Fonsi einmal halb durchgerattert, dann kommt ein Lied, das natürlich gerne als Aussage zum neuen Mann an ihrer Seite gelesen wird. "Ich wollte mich nie mehr verlieben", singt sie, und natürlich wird das als erstes Statement genommen, eines, bei dem man mutmaßen kann, ob es Florian Silbereisen, ihrem verlassenen Partner, möglicherweise wehtun wird. Es werden noch mehr solcher Momente folgen, bei denen man sich fragen kann, ob das nun eine Anspielung auf die kürzlich bekannt gewordene Trennung des so genannten Traumpaares ist oder nicht.

Keine Frage, hier wird durchweg auf Überdosis gesetzt. Diät war gestern. Mehr Lichtreize und mehr Effekte sind sonst nur beim Eurovision Song Contest zu bestaunen. Helene Fischer bleibt nur ganz knapp hinter diesem Maßstab zurück, sie ist quasi der Einfrau-ESC, der die Fernsehnation stets zu Weihnachten beglückt. Die achte Eurovisionsshow sei das nun schon, sagt sie und begrüßt die Zuschauer in Österreich und der Schweiz.

Kurz danach singt sie "Wer ist schon fehlerfrei?", und natürlich ist das eine rhetorische Frage, weil die Antwort ja auf jeden Fall Helene Fischer heißt. "Ich bin wahnsinnig aufgeregt", behauptet sie, aber man spürt das nicht. Alles geht ihr zu glatt über die Lippen. Wenn Perfektion einen Namen hat, dann lautet der Helene Fischer. Sie ist eindeutig die Mrs Perfect im deutschen Show- und Schlagergeschäft. Bei ihr ist Makellosigkeit Programm.

Helene Fischer macht eben alles. Vielseitigkeit könnte ihr zweiter Name sein. Sie singt, sie tanzt, sie turnt, sie lässt sich verzaubern, sie gibt alles. Immer. Doch bei aller Präzision bleibt da stets diese gewisse Kühle in der Präsentation, eine Art emotionales Reinraumerlebnis, das den Eindruck vermittelt, man könne auch nach einer anstrengenden Tanznummer in ihren Achselhöhlen Halbleiter fertigen.