Süddeutsche Zeitung

"Heels" bei Starzplay:Mann gegen Mann

Die Wrestling-Serie "Heels" kommt leider über ein paar Südstaaten-Klischees nicht hinaus.

Von Annett Scheffel

"Kayfabe", so nennt man bei Wrestling die unbedingte Wahrung der vierten Wand. Die Rollen und Storylines, die im Vorhinein vereinbarten Manöver, die Rivalitäten, das alles ist die Quintessenz des Sports. Kurzum: das große Schauspiel im Ring aus Gut gegen Böse. Und wegen des Entertainmentfaktors verlassen Wrestler auch außerhalb der Showarena besser nicht ihre Rolle. Eigentlich - und darum geht es in der neuen Serie Heels - schauspielern Wrestler also immer. Zuhause am Abendbrottisch, im Day-job als Rasenmäherverkäufer, bei der Kneipenschlägerei, beim Sex und beim damit Prahlen.

Im Zentrum der Handlung stehen zwei Brüder, Jack (Stephen Amell) und Ace Spade (Alexander Ludwig), die in einer Kleinstadt in Georgia gemeinsam in einer regionalen Wrestling-Liga auftreten - einer als "Face", der Held, der andere als "Heel", der Bösewicht. Die "Duffy Wrestling Association" ist das Vermächtnis des toten Vaters, das der eine Bruder versucht, zu neuem Glanz zu verhelfen und der andere Bruder lieber weit hinter sich lassen würde. Die Rollen sind klar verteilt, was der Dramaturgie der Serie nicht guttut. Denn die hat über zumeist nervige Stereotype aus dem amerikanischen Süden hinaus erstaunlich wenig Neues zu erzählen.

Vor allem die Testosteron-getränkten Figuren nerven gewaltig

Das Drehbuch stammt von Michael Waldron, der zuletzt mit der TV-Serie Loki dem Marvel-Universum ein neues Kapitel hinzufügte. Nach der Selbstironie, mit der er hier die Helden-Schurken-Schablone ankratzte, sucht man in Heels eher vergeblich. Die privaten Reiberein und finanziellen Probleme der Wrestling-Familie wirken in den acht Episoden eher in die Länge gezogen. Und vor allem die Testosteron-getränkten Figuren nerven gewaltig: Männer, die sorgenvoll auf den Unterkiefer herumbeißen, eigentlich immer unfreundlich sind, und ein ganz großes Problem damit haben, zu weinen - und denen trotzdem die Frauen an der Seite kleben. Die Frauen? Nun ja, die sind so sekundär - verständnisvolle Ehefrau, sexy Dekoration für die Wrestling-Show, zuverlässige Assistentin -, dass man sich fragt, wie lange es noch dauert, bis es in einer Südstaaten-Dramaserie wenigstens mal eine erfüllte, ernstgenommene Frauenfigur zu bestaunen gibt.

Schade ist das vor allem, weil die absurde und rauflustige Welt der Wrestling-Spektakel eigentlich viel hergäbe: Vor allem mehr Humor angesichts der ausgefallenen Aufführungspraktiken und Gimmicks der Wrestler. Immerhin nimmt sich Heels Zeit für die Schönheit der akrobatischen Kunststücke im Ring. Für eine spannende Geschichte braucht es aber mehr als fliegende Körper im bunten Scheinwerferlicht.

Heels, acht Folgen, ab 15. August auf Starzplay

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5415455
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/freu
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.