Netflix-Serie "Masters of the Universe: Revelation":Wo ist He-Man?

Netflix-Serie "Masters of the Universe: Revelation": So kennt man die Serie eigentlich: He-Man vermöbelt den fiesen Skeletor. Die Macher der Neuauflage sind von diesem Muster aber etwas abgewichen.

So kennt man die Serie eigentlich: He-Man vermöbelt den fiesen Skeletor. Die Macher der Neuauflage sind von diesem Muster aber etwas abgewichen.

(Foto: NETFLIX/NETFLIX)

In den USA ist eine Debatte um die Netflix-Serie "Masters of the Universe: Revelation" entbrannt. Showrunner Kevin Smith ist einst von Harvey Weinstein gefördert worden.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es ist natürlich ungeheuerlich, diese Überraschung nun zu verraten; es ist indes für einige Leute auch ungeheuerlich, dass es diese Überraschung überhaupt gibt - so sehr, dass daraus gar eine gesellschaftliche Debatte entstanden ist. Die Warnung ist hiermit ausgesprochen, wer sich von der Netflix-Serie "Masters of the Universe: Revelation" selbst überraschen lassen will, der möge nun auf gar keinen Fall weiterlesen. Alle anderen: Hier entlang bitteschön, denn diese Debatte ist hochinteressant.

Die Serie ist die Neuauflage der unvergessenen 130 Folgen von "He-Man and the Masters of the Universe", die in den 1980er Jahren ein popkulturelles Phänomen gewesen ist. Die unglaubliche Entstehungsgeschichte ist auf Netflix in der dritten Folge der grandiosen Dokumentarserie "The Toys That Made US" zu sehen. Wer sich für Marketing und den Wahnsinn mit Actionfiguren interessiert, der sollte sich das ansehen. Es geht in der Serie um den schüchternen Prinzen Adam, der sich mit einem Zauberschwert in den muskelbepackten und furchtlosen He-Man verwandelt, um den Planeten Eternia gegen die Angriffe des Bösewichts Skeletor verteidigt.

Bei der Macht von Grayskull: Was hat sich Showrunner Kevin Smith nur dabei gedacht?

In der ersten Folge der Neuauflage, da sterben sowohl He-Man als auch Skeletor. Bei der Macht von Grayskull: Was hat sich Showrunner Kevin Smith nur dabei gedacht? Die Fans der Originalserie sind empört, weil es ihrer Meinung zufolge keine Serie ohne diese beiden klassischen Figuren geben könne - trotz geradezu überschwänglicher Kritiken rauschte die Bewertung auf der Film- Fanseite Rotten Tomatoes von 92 auf 37 Prozent. Die Debatte geht aber viel tiefer, die Protagonisten der neuen Serie sind die Kriegerin Teela (gesprochen von Sarah Michelle Gellar), die Zauberin Evil-Lyn (Lena Headey) und die Ingenieurin Andra (Tiffany Smith). Der Vorwurf an Kevin Smith: Er kille den Zauber des Originals (in dem Muskelmänner Konflikte mit Gewalt und bisweilen arg dummen Sprüchen lösen) und setzt auf weibliche Figuren, um auf Teufel komm raus nun "woke" zu sein - also demonstrativ progressiv.

Netflix-Serie "Masters of the Universe: Revelation": Statt He-Man dürfen jetzt auch Teela, gesprochen von Sarah Michelle Gellar. und Andra, gesprochen von Tiffany Smith, so richtig Krawall anzetteln.

Statt He-Man dürfen jetzt auch Teela, gesprochen von Sarah Michelle Gellar. und Andra, gesprochen von Tiffany Smith, so richtig Krawall anzetteln.

(Foto: NETFLIX/NETFLIX)

Es hat diese Debatte zuletzt immer wieder mal gegeben, bei Filmen wie "Ghostbusters", "Ocean's Eight" oder dem "Star-Wars"-Franchise, wenn Frauen die ehemals männlichen Protagonisten ersetzen. In diesem Fall kommt noch eine Ebene hinzu: Kevin Smith ist als Schauspieler bekannt für die Rolle des stummen Stoners in den Filmen über das Duo Jay and Silent Bob - als Filmemacher war er einer der "Harvey Boys", die der Produzent Harvey Weinstein ganz besonders gefördert hatte. Smith nannte seine Produktionsfirma im Jahr 2011 sogar "The Harvey Boys". Weinstein sitzt bekanntermaßen im Knast, weil er viele Frauen sexuell missbraucht hatte; er wurde in New York zu 23 Jahren Haft verurteilt, in Kalifornien gibt es derzeit einen weiteren Strafprozess gegen ihn. Smith hat sich, als er von den Vorwürfen erfuhr, von Weinstein distanziert, alle Erlöse aus von Weinstein produzierten Werken (also Streamingrechte zum Beispiel) gehen an die Stiftung Women in Film, dazu 2000 Dollar pro Monat aus der privaten Schatulle von Smith.

Stimmt schon: Es ging immer um Freundschaft in dieser Serie

Es gibt also drei Ebenen dieser Debatte: das vermeintliche Verschwinden der Figuren He-Man und Skeletor (übrigens gesprochen von Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill), der Fokus auf weibliche Protagonisten - und der Vorwurf an Smith, sich über die Serie davon befreien zu wollen, der Protegé von Weinstein gewesen zu sein. Smith ist von dieser Debatte übrigens überhaupt nicht begeistert, zu Variety sagte er: "Jetzt zeigt sich doch, wer wirklich ein Hardcore-Fan ist. Es gab auch damals in jeder Folge Frauen, und es war sicherlich nicht so, dass He-Man andauernd den Tag gerettet hat. Seine Freunde haben ihm immer geholfen, genau das ist die Botschaft der Serie."

Stimmt schon: Es ging immer um Freundschaft in dieser Serie, und die Neuauflage wird nicht nur diesem zentralen Thema gerecht. Es ist eine wunderbare Serie, Hommage ans Original mit modernen Elementen (der Bösewicht ist ein Technik-Jünger, der alles Menschliche robotisieren will) und einigen augenzwinkernden Hinweisen darauf, worüber man vor 40 Jahren herzlich gelacht hat und heute mit den Augen rollt - die herrlich dummen Sprüche zum Beispiel. Und noch was, sagt Smith: "Glaubt ihr echt, dass die mir Geld geben, dass ich eine verdammte ,Masters-of-the-Universe'-Show ohne He-Man mache? Oh Mann, Leute, werdet erwachsen." Nur so viel: Auf diesem Abenteuer werden die Protagonistinnen irgendwann ins Reich der Toten hinabsteigen. Was sie da tun werden? Pst, es soll eine Überraschung sein ...

© SZ/freu
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