Kompromittierende Videos Hat "Bild" Ottfried Fischer genötigt?

Anklage gegen einen Journalisten: Ein Mitarbeiter von "Bild" soll Ottfried Fischer genötigt haben. Es geht um einen Streit mit Prostituierten.

Von Nicolas Richter

Im Herbst vergangenen Jahres war der Schauspieler Ottfried Fischer merkwürdig mitteilsam. Damals lag er gerade im Streit mit Prostituierten, die ihn offenbar um mehr als 30.000 Euro betrogen hatten. Eine sehr persönliche Angelegenheit jedenfalls, über die Fischer wohl am liebsten geschwiegen hätte.

Zufrieden mit den Münchner Ermittlungsbehörden: Ottfried Fischer.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Aber Mitte Oktober plauderte er dann scheinbar ganz unbefangen in der Bild-Zeitung über sein Malheur. Das Boulevard-Blatt machte daraus die Schlagzeile: "Die Huren nutzten meine Krankheit aus!" Fischer erzählte von einer schwierigen Zeit, die er da durchlebt habe, und da habe er eben eine kennengelernt, die ihn öfter mal daheim besucht habe.

Nun will die Staatsanwaltschaft München I ermittelt haben, dass es Fischer mit diesem Interview überhaupt nicht darauf ankam, sich mal eben den Frust von der Seele zu reden. Vielmehr soll er von einem damaligen Mitarbeiter der Bild dazu genötigt worden sein. Gegen den Journalisten hat die Staatsanwaltschaft am 10. August Anklage erhoben wegen Nötigung; außer dem Journalisten sind wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen" vier weitere Personen angeklagt, die mit Bild jedoch nichts zu tun haben.

Fischer war im Jahr 2009 offenbar zunächst das Opfer mutmaßlicher Betrüger geworden, die mit gefälschten Kreditkartenbelegen Geld von ihm nehmen wollten. Wahrheitswidrig spiegelten sie bei den Kreditkartenfirmen vor, Fischer habe die Dienste von Prostituierten genutzt. Um ihre umstrittene Forderung zu untermauern, beschlossen sie, sich frisches "Beweismaterial" zu beschaffen: Sie schleusten Prostituierte in Fischers Wohnung und filmten ihn heimlich.

Den kompromittierenden Streifen haben sie laut Anklageschrift anschließend dem Bild-Journalisten angeboten, der soll gesagt haben, für das Material könne sehr viel Geld bezahlt werden, es gebe für solche Fälle einen besonderen Topf. Der Staatsanwaltschaft zufolge wurde der Film dann auch übergeben, allerdings sei dafür dann nur ein niedriger vierstelliger Betrag überwiesen worden.

Der damalige Bild-Mann soll - laut Anklage - Mitte Oktober 2009 die PR-Agentin Fischers kontaktiert und von dem kompromittierenden Film erzählt haben. Fischer habe sich daraufhin bereit erklärt, Bild das Exklusiv-Interview zu gewähren, das im Oktober erschien. Laut Anklageschrift tat Fischer dies ausschließlich deshalb, weil der Journalist versprochen hatte, er werde den Film daraufhin im "Giftschrank" verschwinden lassen.

Der Axel Springer Verlag teilte am Donnerstag auf SZ-Anfrage mit: "Herr Fischer wurde zu keinem Zeitpunkt erpresst, an diversen Artikeln mitzuwirken. Es gibt unsers Wissens nach keine Strafanzeige von Herrn Fischer" gegen den betreffenden Journalisten. Nach Kenntnisstand des Springer-Verlages sei weder die Anklage zugelassen, noch finde sich in den bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft "auch nur ein einziger Anhaltspunkt, der diesen Vorwurf stützt".

Der Journalist habe den Verlag Ende Juni auf eigenen Wunsch verlassen, um eine andere Stelle in einem anderen großen Verlag anzunehmen. Weiter heißt es: "Zum Stand des Verfahrens können wir keine Auskunft geben. Ebenso äußern wir uns grundsätzlich nicht zu Vertragsverhältnissen unserer Mitarbeiter sowie zu redaktionsinternen Abläufen."

Ottfried Fischer ließ erklären, er sei sehr zufrieden mit der Arbeit der Münchner Ermittlungsbehörden.

"Bild"-Chef Kai Diekmann

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