Plasberg zu Merkels Nachfolge:Jau, Flüchtlinge! - Seufzer der Erleichterung

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Irgendwann zwischendrin witterte er dann ganz offensichtlich eine Schlagzeile und brachte die Show zurück in die über viele Monate ausgefahrene Standardspur. Er fragte Baerbock, ob die Grünen sich weiter sperren würden, wenn es darum gehe, die Maghreb-Staaten als sichere Herkunftsländer einzustufen. Jau, Flüchtlinge! Beinahe meinte man, Seufzer der Erleichterung zu vernehmen. Auf einmal waren alle wach, es ging prompt wild zu.

Plasberg erkannte immerhin, dass er den Geist, den er da leichtfertig aus der Flasche gelassen hat, irgendwie wieder einfangen muss. "Es ist schwer, eine politische Sendung zu machen, ohne das Thema zu besprechen", behauptete er dreist und seiner ganz eigenen Logik folgend, in der Aufmerksamkeit die einzig valide Währung ist. Und da er das Thema Flüchtlinge aufgeworfen habe, könne er es nun auch wieder beenden, sagte er.

Ja, so ist das in einer Talkshow. Der Moderator gibt, der Moderator nimmt.

Saturierte Wähler? Nicht bei den Grünen

Prompt verfielen alle wieder in eine Art Starre, die nur kurz aufgebrochen wurde, als der Journalist Robin Alexander die Grünen-Wähler als saturiert bezeichnete, was Baerbock natürlich nicht auf sich und ihren Wählern sitzen lassen wollte.

Natürlich wurden noch die möglichen Merkel-Nachfolger durchgehechelt, aber aufregende Erkenntnisse wollten sich auch dabei partout nicht einstellen. Wenn man einmal davon absah, dass Sportreporter Hansch allen Ernstes Christian Wulff ("ein riesenpolitisches Talent") ins Spiel brachte. Plasberg selbst sprach dann noch Friedrich Merz an, der lange weg vom politischen Fenster war. "Wäre das so, als ob Joschka Fischer bei den Grünen aktiviert würde?", wollte er von Grünen-Frau Baerbock wissen. Die stammelte, als habe man sie eben beim Tuscheln erwischt: "Äh, joah, jaa." Doofe Frage aber auch.

Am Schluss machte sich Erleichterung breit. Man hatte weitgehend unfallfrei gesprochen. Über irgendwas mit Politik, Parteien und Merkel. Wie lange die Kanzlerin noch im Amt bleibe, wollte Plasberg zum Abschied wissen. Die Antworten reichten von sechs Monate bis zum Ende der Legislaturperiode. Hätte man wissen können. Irgendwie.

75 Minuten waren da vorbei. Ein guter Zeitpunkt, um zu gehen, ohne unhöflich zu erscheinen. Puh, war das öde.

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