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Hart aber fair:Katz und Maus mit Alexander Gauland

Titel: 'Der Bürgercheck zur Wahl: 'Wie umgehen mit Trump, Erdogan und Putin?'; Wie umgehen mit den Populisten? Alexander Gauland und Norbert Röttgen zu Gast bei "Hart aber Fair"

Alexander Gauland und Norbert Röttgen zu Gast bei "Hart aber Fair".

(Foto: © WDR/Oliver Ziebe; WDR/Oliver Ziebe)

"Wie umgehen mit Trump, Erdoğan und Putin?" In der TV-Runde von Plasberg prallen Norbert Röttgen und Jürgen Trittin in seltener Einmütigkeit auf AfD-Mann Gauland.

Es schien, als hätte Alexander Gauland der Sendung noch eine Steilvorlage liefern wollen. Der AfD-Spitzenkandidat ist an diesem Montag zu Gast in der ARD-Sendung "Hart aber fair" von Moderator Frank Plasberg. "Wie umgehen mit Trump, Erdoğan und Putin?", lautet der Titel. Es geht also um Populisten und Populismus. Und nach dem was Gauland am Samstag auf einer Wahlkampfveranstaltung gesagt hat, hätte die Sendung jetzt auch schlicht "Wie umgehen mit Gauland?" heißen können. In Thüringen nämlich hatte der sich die "Entsorgung" der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoğuz, nach Anatolien gewünscht.

Gauland sitzt jetzt in der Plasberg-Sendung neben der Jungwählerin Julie Christin Göths, den beiden Außenpolitikern Norbert Röttgen (CDU) und Jürgen Trittin (Grüne) sowie der Ex-ARD-Korrespondentin Ina Ruck. Plasberg hätte ahnen können, dass es jetzt mitten im Bundestags-Wahlkampf erstmal nicht um Trump, Putin und Erdoğan gehen würde. Nicht wenn Gauland auf seiner Bank sitzt. Er ließ es laufen. Und brachte damit einmal mehr das Katz-und-Maus-Spiel zur Aufführung, das Gauland erwiesenermaßen vortrefflich beherrscht. Dessen stets gleiche Dramaturgie den Zuschauer inzwischen aber mindestens so langweilen müsste wie der Schlagabtausch zwischen Kanzlerin und SPD-Herausforderer.

Erst Provokation, dann Unschuldsgetue von Gauland

Erst provoziert Gauland und punktet unter rechten Anhängern ( beleidigt Boateng oder nimmt Pegida-Pöbler in Schutz). Um später, wenn die Wellen hochschlagen, die verfolgte Unschuld zu geben. Wie jetzt wieder in Plasbergs Studio: "Ich habe das Wort nicht gebraucht, um bewusst zu provozieren. Ich habe die Rede verhältnismäßig frei gehalten." Und: "Ich habe heute deutlich gesagt, dass das 'Entsorgen' ein Fehler war."

Röttgen und Trittin können dem AfD-Mann das Unschuldsgetue natürlich nicht durchgehen lassen. Aber das dürfte Gauland als weiteren gelungenen Teil seiner Inszenierung verbuchen. Je stärker sich Röttgen ("ekelhafte Sprache") und Trittin ("verbale Ausbürgerung einer Bürgerin dieses Landes") auf Gauland einschießen, desto stärker wirkt Gaulands gespielte Harmlosigkeit. Die Botschaft: "Seht her, wie sich alle immer gegen uns verbünden und zu Unrecht über uns herfallen!"

Ihre gemeinsame Front gegen Gauland behalten Röttgen und Trittin über weite Strecken der Sendung bei. Auch als es dann endlich um das gesetzte Thema dieses Abends ging, "Trump-Erdoğan-Putin". Nur als es um Trumps Forderung an die Europäer geht, deutlich mehr in Rüstung zu investieren, bricht die seltene schwarz-grüne Koalition: Da setzt sich Röttgen massiv für eine Erhöhung des deutschen Verteidigungshaushaltes ein. Während Trittin auf die massive Geldverschwendung in der Bundeswehr hinweist.

Es ist die Journalistin Ruck, die zu diesem Thema einen bislang selten gehörten Gedanken beiträgt: "Das würde ja bedeuten, dass wir nicht nur die absolut übermächtige Wirtschaftsmacht sind in Europa, sondern auch ein militärischer Gigant, den sich Europa eigentlich nicht wünschen kann." An solchen klugen Gedanken war diese Talk-Runde ansonsten aber arm. Denn so schonungslos die Analyse teilweise ausfiel, Lösungen haben die Gäste nicht anzubieten.

Zuschauerin Ramona Frank aus Düren fragt, wie nach der Wahl von Donald Trump die deutsch-amerikanische Freundschaft bewahrt werden könne. Röttgens Antwort: "Trump stellt dieses einzigartige Verhältnis nicht nur in Frage, er zerstört es." Und Trittin erinnert daran, wie paradox es ist, dass die Europäer inzwischen an der Seite der Volksrepublik China gegen die Amerikaner für freien Handel und offene Märkte streiten. Was in beiden Fällen keine Antwort auf die Frage ist.

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